74-87_Lay_P1_Namibia
74-87_Lay_P1_Namibia

Tausend Landschaften – ein Land

Namibias Vielfalt bezaubert: Karge Landschaften wechseln sich mit kleinen Oasen an Flussläufen ab, Steppen mit archaisch anmutenden Bergen und Canyons. Am eindrucksvollsten die küstennahe Namib-Wüste mit ihren einzigartigen Dünen. Ein Land der endlosen Horizonte, dünn besiedelt und zehnmal so groß wie Österreich. An wenigen Plätzen der Erde hat man so sehr das Gefühl, einen gelungenen Zeitsprung in Landschaften aus der Frühgeschichte der Erde gemacht zu haben.

Namibische Landschaften vergisst man nicht so leicht, vor allem nicht die Steppen, die tiefen Canyons und die Namib-Wüste mit ihren unabsehbar weiten Horizonten. Archaische, wilde Schönheiten, an denen sich das Auge endlos laben kann. Millionen Jahre alte Sanddünen, die mit intensiv leuchtenden Farben von Rostrot über Ocker bis zu Orange changieren und ihre Silhouetten mit dem Stand der Sonne wechseln – und ganz nebenbei bemerkt die höchsten der Erde sind. In Namibia steht man oft einfach nur da und schaut und schaut. Als Mitteleuropäer, der verbaute Landschaften, kleine Himmelsausschnitte und allerorts Verkehr, Lärm und Menschen gewohnt ist, kann man sich gar nicht losreißen davon, wie viel Weite und buchstäblich „Platz“ es hier gibt. Namibia gehört zu den dünnstbesiedelten Ländern der Welt. Zugleich ist es auch eines der wasserärmsten in Afrika, und man kann die hiesigen Ureinwohner, die Völker der Herero, Himba, Nama, der Ovambo, San, Damara und anderer, nur bewundern, wie sie sich hier unter oftmals kärglichen Bedingungen ihre Nischen zum Überleben geschaffen haben. Der Landesname leitet sich übrigens von der Wüste Namib her und bedeutet in der Sprache der Nama „weites Land“. Sie ist eine der trockensten Regionen der Erde, verläuft entlang der wilden Küste, die zweite Wüste des Landes ist die Kalahari im Osten.

Namibia ist etwa zehnmal so groß wie Österreich: Das bedeutet nicht nur viel Fläche, sondern auch, dass man sich ausreichend Zeit nehmen sollte, sie zu explorieren. Kenner raten zu einem zweiwöchigen Aufenthalt. Es ist auf jeden Fall eine Überlegung wert, die beträchtlichen Distanzen mit dem Flieger statt mit dem Auto zurückzulegen. Ein Flug ins Ongava Game Reserve, ein 30.000 Hektar großes Wildtierreservat, ist zum Beispiel ein empfehlenswerter Reisebeginn. Ongava liegt im Norden des Landes und bildet die südliche Grenze des Etosha-Nationalparks. Mit dem Flugzeug sind es 1,5 Stunden von der Hauptstadt Windhoek, mit dem Auto wären es 4,5 Stunden. Ongava ist aus der Initiative einiger gleichgesinnter Familien heraus entstanden, die sich im Jahr 1991 zusammentaten und damit begannen, ein paar unprofitable Rinderfarmen in ein großes Naturreservat umzuwandeln. Heute steht Ongava – das Wort steht in der Herero-Sprache für „Nashorn“ – für verantwortungsvollen, sanften Öko-Tourismus, die Lodges vor Ort werden nach dem Prinzip „Nature First“ betrieben, ja sogar eine eigene Forschungsstation gibt es: Das Ongava Research Centre studiert das Verhalten der Breit- und Spitzhornnashörner. Die Tiere, die nur noch an wenigen Orten der Erde in freier Wildbahn leben, haben hier wieder eine Zukunft. Man hat es geschafft, ihre Population von nur sechs Tieren im Jahr 1995 auf aktuell 30 anwachsen zu lassen. Grundsätzlich widmet sich das Centre dem Schutz der hier ansässigen seltenen und bedrohten Arten, die hier keine Wilderer zu fürchten haben. Und so tummeln sich an den Wasserlöchern unbehelligt Löwen, Rhinozerosse, Zebras, Giraffen, Warzenschweine und Antilopen. Und das ist nur ein kleiner Auszug: Insgesamt sind etwa hundert Säugetierarten anzutreffen, darunter Gnus, Wasserböcke, Elefanten und Leoparden, und rund 340 Vogelarten, wie Strauße, Riesentrappen, Hartlaubfrankoline und Rüppell-Papageien.

Dementsprechend spannend ist in dem Reservat die Wildbeobachtung – im Land Rover und zu Fuß. Besucher wandern durch das Reservat, beobachten Nashörner und machen Fotosafaris im Verborgenen. Die Guides verblüffen immer wieder mit ihrem unglaublichen Wissen über die Natur, die Wildtiere und ihr Verhalten. Ein weiteres Must-see ist auch der Etosha-Nationalpark, der berühmteste des Landes, der insgesamt 22.000 kmÇ umfasst und dessen spektakulärster Teil die Etosha-Pfanne ist. Das Wort steht in der Ovambo-Sprache für „großer weißer Platz“, und tatsächlich ist die gleißende, flirrende Pfanne das Überbleibsel eines längst ausgetrockneten Salzsees: eine große Salzkruste, die sich in der Regenzeit mit zahlreichen Wasserlöchern füllt. Diese sind dann für den Rest des Jahres immer ein kunterbuntes Stelldichein für alle Tierarten – und die Fotosafari-Jäger schauen versteckt aus der Ferne zu.


Ein typischer Tag auf dem Ongava Game Reserve beginnt mit einer zeitigen Tagwache, wenn es noch kühl ist. Noch schnell ein englisch-kontinentales Frühstück genossen, Eier und Obst verzehrt, die Hände an einer heißen Tasse Tee gewärmt, bevor es im offenen Land Rover losgeht! Der kundige Guide sieht die interessanten Dinge naturgemäß immer vor den Touristen – wenn sie sie überhaupt entdecken. So kann es schon passieren, dass er keine fünf Minuten vom Camp plötzlich anhält, weil er auf einem Busch ein fingergroßes Chamäleon entdeckt hat, das für die genaue Betrachtung kurz auf der Hand Platz nehmen darf, bevor es wieder behutsam auf den Zweig zurückgesetzt wird. Auf der Weiterfahrt kreuzen vielleicht ein paar den Weg, bevor sie im Dickicht verschwinden. Oder der Wagen hält nach einer Weile an, weil aus dem Busch vielfältiges Vogelgezwitscher dringt, vermischt mit Lauten, die die Gruppe nicht identifizieren kann. Dann hat man möglicherweise das Glück, in etwa 20 Meter Entfernung ein Breitmaulnashorn zu erspähen. Gelassen und wie angewurzelt steht es da, als sei dies schon immer sein angestammter Platz – was es letztlich ja auch ist. Nach der Erlaubnis des Guides steigt man aus, beobachtet den Dickhäuter, der sich keineswegs aus der Ruhe bringen lässt und weiterhin an seinen Blättern kaut. Während die Busch-Neulinge noch ganz gebannt und Aug in Aug mit dem Nashorn stehen, kommt vielleicht die Aufforderung, schnell wieder einzusteigen. Die Guides haben ihre Augen und Ohren stets in alle Richtungen offen, und das ist gut so. Denn wenn zum Beispiel zwei L.wenbrüder aus dem Busch heraustreten, ist man lieber in Sicherheit. Da spitzt selbst das Rhino seine Ohren. Die Savanne ist verblüffend belebt!

So eindrucksvoll und ereignisreich Safari-Tage sind, so entspannend laufen die Abende ab. Zum echten Namibia-Gefühl – man muss generell sagen: zum Afrika- Gefühl – gehört der obligatorische „Sundowner“: Gin Tonic, „Rock Shandy“ (eine mit Angosturabitter versetzte Limonade) oder Bier. Letzteres war vorzugsweise ein Windhoek Lager, das nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird. (Namibia war unter der Bezeichnung Deutsch-Südwestafrika bekanntlich bis 1915 eine Kolonie – viele Straßen sind bis heute auf Deutsch beschildert.) Spektakulär und geradezu herzzerreißend sind die Momente, wenn die glühende Sonne hinter den Bergen verschwindet und einen Schweif in den wildesten Farben am Himmel hinterlässt. Die meisten Lodges bieten Terrassen, die den Blick bis ans Ende des Horizonts öffnen. Dort finden auch gepflegte Abendessen statt. Auf der Speisekarte findet sich immer wieder die lokale Spezialität „Biltong“ – luftgetrocknetes, in Streifen geschnittenes Fleisch von Antilopenarten wie Eland und Kudu, vom Springbock und vom Rind. Oder auch „Braai“ (Afrikaans für „braten“), das entspricht unserem Barbecue: In Namibia vergeht kein Wochenende, ohne dass Fleisch gegrillt wird. Wenn Sie Gelegenheit haben, sollten Sie auch einmal das Grundnahrungsmittel der Namibier, Pap aus Mahangu probieren, das ist eine Art Polenta aus Hirsebrei. Nachts hat man dann ausgiebig Gelegenheit, das sternenübers.te Firmament zu bestaunen – ein Phänomen, das wir Städter kaum noch kennen. Wenn die Konstellationen vom Guide mit dem Laser Pointer erklärt werden, ist nebenbei noch der Bildungsauftrag für Kosmopoliten erfüllt. Von Ongava geht es weiter nach Okonjima, ein Naturreservat auf halbem Weg nach Windhoek. Ähnlich wie Ongava ist auch Okonjima eine privat betriebene Farm – wobei das vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist: Es handelt sich um ein Gebiet von 22.000 Hektar Größe! Okonjima kümmert sich um den Schutz von Geparden und Leoparden, die man bei einer geführten Tour aus der Nähe beobachten kann. Durch den Busch wandern und dabei dem einen oder anderen edlen, geschmeidigen Geparden begegnen – faszinierend, herzstockend. Hat was, garantiert!

Safari, Savanne und Sternenhimmel – schön und gut. Aber ohne die berühmte Namib-Wüste mit ihren ebenso berühmten orange leuchtenden Sanddünen gesehen zu haben, geht es nicht. So ist ein Flug in südliche Richtung in die Nähe des Sossuvlei (Vlei: Afrikaans für „Senke“) angesagt. Dieses ist eine Salzpfanne mitten in der Namib- Wüste, um die herum sich die schönsten und höchsten – bis zu 380 Meter hohen – Dünen Namibias gruppieren. Da ein längerer Spaziergang durch diese ultratrockene Gegend nicht unbedingt zu empfehlen ist, wird das orangefarbene Sandmeer meist aus luftigen Höhen erkundet. Eine Fahrt mit dem Heißluftballon ist hier die probateste Fortbewegungsmöglichkeit. Einen pittoresken Anblick bietet auch das benachbarte Deadvlei, wo verdorrte Akazienbäumen aus dem Sand herausragen – ein Hinweis, dass hier einmal ein Fluss verlief.

Einen Abstecher wert ist auch die ebenfalls in der Namib-Wüste, aber weiter südlich gelegene Geisterstadt Kolmanskop. Die unter dem Namen Kolmanskuppe Anfang des 20. Jahrhunderts von Deutschen gegründete Siedlung war wegen ihrer Diamantvorkommen etwa 20 Jahre lang eine echte Boomtown, ehe sie, nach Abbau der Schätze, einfach wieder aufgegeben wurde. Die Karawane der Glücksritter zog weiter, und die Wüste eroberte sich die paar verbliebenen Gebäude am Rande von Nirgendwo langsam, aber beharrlich zurück. Der Anblick der teils noch möblierten, tapezierten und ausgemalten und verfliesten Räumlichkeiten, in denen sich der Dünensand sammelt, hat etwas leicht Gespenstisches.

Vor der Rückkehr nach Windhoek sollte man sich noch einen Helikopterflug über die Skeleton Coast gönnen. Sie ist so benannt, weil hunderte Schiffswracks die Strände säumen. Im Meer vor der namibischen Küste sind Schiffe Gefahren wie plötzlichem Nebel, starker Brandung und unberechenbaren Strömungen ausgesetzt, was zahlreichen Schiffen zum Verhängnis wurde. Ein etwas makabrer Anblick, von dem man bald genug hat. Ganz im Gegensatz zur Namib-Wüste, die an der Skelettküste und anderswo mit dem Helikopter überflogen wird. An ihr kann man sich praktisch nicht sattsehen: Mal ist sie flach, mal von vielfältig gewundenen Dünen geformt. Dann wieder ragen unvermittelt spitze graue Berge wie Inseln aus dem Sandmeer heraus. Es entsteht der tagträumerische Eindruck, als hätte ein Riese da und dort Erdklumpen ins Nichts hineinverstreut.

Anzeige
News

100-jähriges Jubiläum

Das familienfreundliche Luxusresort Sonnenalp feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich das einstige

The Taste

Ab in den Champagnerkeller

Was für Modeliebhaber der begehbare Kleiderschrank ist, ist für die Gäste des Ellerman House wohl der Champagnerkeller in

News

Hallo, Wintertourismus!

Im vergangenen Jahr expandierte Kroatiens größtes Tourismusunternehmen Valamar erstmals ins Ausland und erwarb das ehemalige Hotel Petersbühel in

Anzeige
Anzeige