reitsafari
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Pinkelpause mit Leopard

Wohnen im Luxus-Zelt, ein Sicherheits-Nebelhorn neben dem Bett, Löwenanekdoten und zaunlose Wildnis ringsum: Die zwei Länder übergreifende „African Explorer“-Reitsafari bietet eine abenteuerliche Tour für Pferdefreunde mit Sattel-Sitzfleisch, die keine Angst vor Trauerrändern und überraschenden Elefanten-Rendezvous haben … ein Reisebericht.

Treffen wir beim Reiten auf Löwen, bleiben wir stehen und laufen nicht davon.“, erklärt Tsoane Rasedibo unaufgeregt und blickt in die Runde. Sieben Frauen hören dem Guide gebannt zu. Ich bin eine davon und stelle die rhetorisch-ironische Frage: „Wissen die Pferde das auch?“ Für einen kurzen Moment durchbricht der Sager die allgemeine Anspannung, einige meiner Reitkolleginnen lachen kurz auf. Tsoane schaut mich an, legt seine Hände übereinander und die vier Sekunden, die er sich zum Antworten Zeit nimmt, fühlen sich sehr lange an. „Neiiin.“, sagt er gedehnt und ergänzt nach einer weiteren Pause: „Überlebensrate: ein Prozent.“ Der Guide erklärt der eben nach einer mehrstündigen Busfahrt in Botswana angekommenen African-Explorer-Reitgruppe die Verhaltensregeln bei unterschiedlichen Tierbegegnungen. Während man bei Löwenkontakt Ruhe bewahren und keinesfalls davonlaufen oder -galoppieren darf, um den Jagdinstinkt nicht zu wecken, heißt es bei einem Treffen mit Elefanten in die Hände klatschen, mit den Füßen stampfen und laut schreien, um zu demonstrieren: Ich habe keine Angst! Ob diese Taktik klappt, will niemand herausfinden. Nur gut, dass wir nach Einbruch der Dunkelheit im Camp von den Guides in die nahen Zelte begleitet werden. Denn nach einigen Gläsern südafrikanischen Weins kann man die Regeln durcheinanderbringen.

Von Morphium, Duftmarken und Vielweiberei

Noch am Tag des Abflugs sitze ich beim HNO-Arzt: Mein Allgemeinzustand lässt nach einer Woche grippalen Infekts zu wünschen übrig. Das größte Problem ist der schlecht funktionierende Druckausgleich. „Sie wissen schon, dass Sie bei einer von Ihnen verschuldeten Notlandung für die Kosten aufkommen müssen?“, fragt der Arzt … Fünf Stunden und ein großes Paket Medikamente später sitze ich nervös im Flieger nach Johannesburg. Es muss nicht notgewassert werden, der Abholtransfer klappt reibungslos und die Tabletten entfalten langsam ihre Wirkung. Bevor die eigentliche Tour beginnt verbringe ich zwei Tage auf der südafrikanischen Signature Safari Lodge (auch Triple B Ranch genannt) in Waterberg mit gutem Essen, viel Schlaf und drei unterschiedlichen Pferden. Die siebentägige African-Explorer-Reitsafari umfasst vier Tage in Südafrika und drei in Botswana. Für Teil eins wird mir der Pferde-Wolkenkratzer namens Minnesota zugeteilt. Mein präferiertes Reittier ist nicht verfügbar. Kirsty Evans, Chefin von Horizon Horseback Südafrika und zuständig für die rund 90 Pferde große Herde, erklärt, dass mein Wunschpferd erst letzte Woche im Einsatz gewesen sei und eine Pause brauche. Einerseits schade, aber andererseits beruhigend zu wissen, dass das Tierwohl an oberster Stelle steht. Die Appaloosa-Stute Minnesota entpuppt sich als kluge und trittsichere Begleiterin und auch die Parallelen zu Lucky Luke sind unverkennbar: Zum einen hängt Minni wie dem Cowboy immer ein Grashalm im Mundwinkel und zum anderen beweist sie beim ersten rasanten Galopp, dass sie mindestens so schnell ist wie ihr Schatten … An meinem dritten Tag geht es endlich richtig los und ich lerne meine sechs Tour-Reitkolleginnen kennen: drei Engländerinnen, zwei Deutsche und eine Schweizerin. Dass die Safari ein Herzenswunsch aller ist, beweist vor allem Catherine. Sie hat aufgrund gesundheitlicher Probleme sogar Morphium im Gepäck! Nach der ersten temporeichen Galoppstrecke stellt unser Südafrika-Guide Shingai Masiviri zufrieden fest: „Manchmal sind aufgrund des hohen Tempos auch angstverzerrte Gesichter dabei … diesmal nicht!“ Der gebürtige Simbabwer lebt schon viele Jahre in Südafrika. Frau und Kinder in der Heimat besucht er alle sechs Wochen. Der 40-Jährige weiß von der Giraffe bis zum Mistkäfer eine interessante Geschichte zu erzählen. Er lässt uns die Blätter des so genannten „Dentist-Trees“ probieren, die den Mund taub machen und erklärt, dass diese einst in der Zahnmedizin Anwendung fanden. Nach der Einnahme des aus den Blättern hergestellten Gelees wurde gewartet, bis sich die Wirkung entfaltet hatte. Um dies zu überprüfen habe der Patient eine Ohrfeige bekommen, so Shingai. Er zeigt uns ein Tröpfchen hellbraunen Schaums, das an einem Grashalm klebt und fragt: „Wonach riecht das? Schokolade?“ Der Stengel wird ehrfürchtig von einer Reiterin zur nächsten gereicht. Mit einem breiten Grinsen erklärt unser Anführer, dass es sich um die Duftmarke einer Hyäne, abgesondert über die Analdrüse, handle. Tagsüber erfahren wir, dass Giraffen nur zwei Gangarten haben, wozu die Fellstreifen der Zebras dienen oder Wissenswertes über den kunstvollen sowie emanzipatorisch interessanten Nestbau der Webervögel. So flicht der männliche Vogel ein kugelförmiges von einem Ast baumelndes Nest, welches nach Fertigstellung vom Weibchen inspiziert wird. Gefällt es der zukünftigen Nestherrin nicht, wirft sie es auf den Boden und das Männchen beginnt von neuem. Abends erzählt Shingai launig über das afrikanische Leben, afrikanische Männer und das neue Selbstverständnis der Frauen. Noch zu Zeiten seines Großvaters seien die Clanchefs mit bis zu drei Frauen verheiratet gewesen, so der Guide, der selbst das Oberhaupt in seinem fernen Heimatdorf ist … 

Die ganze Story gibt`s im Magazin zu lesen!

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