Carmen Huter Gallery Image-4 (c) Carmen Huter
Carmen Huter Gallery Image-4 (c) Carmen Huter

CARMEN HUTER: „IRGENDWANN WAR ALLES SO UNNORMAL … „

Carmen Huter will keine Standard-Bloggerin sein. Täglich Werbungen zu schalten liegt ihr nicht – auch weil Instagram für die Berufsfotografin nur ein Standbein von mehreren darstellt. Dass man sie oft unterschätzt, ist zwar lästig, aber daran stört sie sich längst nicht mehr. Die Reisebloggerin erzählt von bangershots, wichtigen Grenzen und der Konzentration unter Wasser.

Foto: Carmen Huter

Auf einer verrückten Reise durch Ostafrika strandet Carmen Huter samt Begleitung nach einer siebenstündigen Autofahrt in einem kleinen Ort in Uganda. Die Malaria-Erkrankung zuvor ist zum Glück gut überstanden, die Genehmigung für ein Gorilla-Trekking organisiert. Früh am Morgen geht es los. Immer den Guides nach, die mit einer Machete einen schmalen Pfad in die grüne Dschungelwand säbeln. Eine Garantie die scheuen Tiere zu sehen gibt es nicht. Dafür sind die Verhaltensregeln umso klarer: Abstand halten, leise sein, nicht berühren. Damals sei sie noch Amateurfotografin gewesen, erzählt Huter und bezeichnet das Foto, das wenig später im National Geographic erscheinen soll als lucky shot. „Nur wenige Sekunden nach dem Bild sind die Gorillas weitergewandert, doch plötzlich kam eine Mutter mit Baby direkt auf mich zu: Beweg dich nicht, sei leise, still, hab ich mir gesagt. Und da tat die Gorillamutter etwas, das laut Guides nie zuvor ein Tier gemacht hat: Sie berührte mich mit ihrer Hand am Oberschenkel und sah mich an.“ Dieser bewegende Moment steckt für die Fotografin im Foto mit drin, obwohl ein anderes Tier abgebildet ist. Die Veröffentlichung im renommierten Magazin markiert einen Wendepunkt. „Ich hatte mir eine kleine Kamera gekauft, um besondere Momente auf Reisen festzuhalten, mich aber Null drum geschert, wie man die Einstellungen macht. Ich dachte, A steht für Automatic. Und wusste nichts von Aperture Priority, der Zeitautomatik. Nach dem Nat Geo 2017 habe ich mich mit den technischen Dingen der Fotografie auseinander gesetzt und gelernt.“ Mittlerweile veranstaltet die Berufsfotografin selbst Workshops, hält Vorträge, verkauft ihre Bilder und eigene presets (Filter).

Foto: Carmen Huter

Mentale Gesundheit geht vor Likes

Der Himmel vor den Fenstern hat die gleiche Farbe wie Carmens Augen. Sie blickt lächelnd in die Computer-Kamera, im Hintergrund hängt ein etwas seltsam gerahmtes Bild nebelverhangener Baumwipfel an der Wand. Eigene Bilder finden sich nicht in der Wohnung. „Ich wohne derzeit in einer Mietwohnung und in meinem Garten steht eine Statue … wenn jemand vorbeikommt ist das ein bissl peinlich“, erklärt sie lachend. Derzeit freut sie sich auf den hoffentlich letzten Standort-Wechsel. „Ich bin schon etwas müde vom Umziehen. In den letzten neun Jahren bin ich entweder gereist oder umgezogen …“ Das soll nun anders werden. Sie zieht mit ihrem Partner ins Salzkammergut. Dass die 28-Jährige in einer Beziehung ist, erkennt man auf Instagram nur wenn das Wörtchen „wir“ benutzt wird. Die Beziehungsinfo hat sie bewusst zurückgehalten und erst kürzlich eingebaut. Wieso sie nicht mehr preisgibt? Ihre Anhängerschaft muss nicht alles von ihr wissen. Carmen ist keine Fulltime-Social-Media-Person. Oft ist sie nicht erreichbar, nimmt sich Auszeiten. Anders kann sie sich das nicht vorstellen. Sie hat wegen der Liebe zum Reisen mit dem Reisen begonnen und nicht wegen Instagram oder Blog. „Wenn ich jetzt in Nepal bin, will ich nicht zehn Euro fürs Internet ausgeben und meinen Abend verschwenden, um den Leuten jedes Detail zeigen zu können.“ Obschon Instagram zu ihrem Arbeitsfeld gehört, hat sie eine Grenze gezogen. Die Jagd nach den nächsten Likes ist längst in den Hintergrund gerückt – und war vielleicht nie vorhanden. Wer mit sich zufrieden ist, muss sich nicht mehr beweisen.

Foto: Carmen Huter

Ist man auf Social Media langjährig und intensiv aktiv, muss man sich der eigenen mentalen Gesundheit wegen abgrenzen. Es sind die extremen Meinungen, positiv wie negativ, die es auszugleichen gilt. „Man muss sich selber ein bissl zurückstellen, weil sonst wird man mega-narzistisch oder es bleibt irgendwann kein Selbstwertgefühl übrig“, so Carmen. Obschon Kritik zum Job gehört, ist der Umgang damit nicht immer leicht. So manches Feedback sei doch recht unüberlegt, merkt die Reisebloggerin an. „Ich präsentiere mich auf Social Media in einem Licht, in dem ich hoffe, dass es einen Mehrwert für andere hat. Aber natürlich verstehe ich … dass, wenn ein Mädel wie i, von Tirol, ein Bild von sich im Bikini postet … ischt da amal überhaupsch koa Mehrwert dabei“, erzählt sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht und ergänzt mit Nachdruck: „Influencer-sein hat schon mit Marilyn Monroe begonnen. Menschen fühlen sich von Ästhetik angezogen und die ist in meiner Arbeit sehr wichtig. Ich könnte auch realer und wirklicher sein, aber ich distanziere mich immer mehr, weil ich meine Privatsphäre schützen will.“ Früher habe sie noch offenherziger agiert und versucht so viel wie möglich von sich preiszugeben, um die eigene Geschichte gut zu verkaufen. Heute haben Bestätigung und Resonanz keine Priorität mehr.

Foto: Carmen Huter

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Carmen Huter