20082_163 2 (c) Cindyundkay
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CHRISTINE NEDER: „WIR MACHEN UNS ZU VIELE GEDANKEN ÜBER UNWICHTIGE DINGE“

Christine Neder filmt, fotografiert, schreibt, postet über ausgewählte Reisen, Minimalismus, Nachhaltigkeit, ihre Coaching-Tätigkeit oder das Muttersein. Sie zeigt nicht nur sich und ihre Tochter, sondern berichtet auch schonungslos über die manchmal eintretende Überforderung – ganz ohne den in den Sozialen Medien üblichen „Alles-ist-perfekt“-Filter. Sie erzählt, was sie in 90 Tage in fremden Betten gelernt hat, über das Dranbleiben und warum sie den Sozialen Medien dankbar ist.

Foto: Pedro Correia

36 Quadratmeter hat die Ferienwohnung in Portugal. Es handelt sich um eine Übergangsbleibe, denn noch wird am eigenen Haus gebaut, in dem Christine Neder mit ihrem Partner, Kind und Hund einziehen wird. Zu wenig Platz könnte man denken. Doch das sieht die gebürtige Bayerin aus dem Bezirk Unterfranken anders. „Man braucht hier nicht viel Raum, weil man fast immer draußen ist – man wohnt eigentlich am Strand und im Garten. Ich mag Ordnung und Struktur und das kann man in einer kleinen Wohnung, wenn man nicht so viel hat, besser umsetzen“, erzählt sie. Die 36-Jährige hat sich mit ihrer kleinen Familie entschieden von Berlin an die Algarve zu übersiedeln. Auswanderung-Light nennt sie es, da die Wohnung in Berlin weiterhin behalten wird. Christine selbst befindet sich gerade am Minimalismus-Trip. Der Umzug in südlichere Gefilde brachte eine 50 %ige Reduktion des deutschen Haushalts mit sich. Für das Interview wurde aufgrund der räumlichen Distanz ein Zoom-Call vereinbart: Christine sitzt im flauschigen Karohemd in der Küche der gemieteten Ferienwohnung, über den großen schwarzen Kopfhörern hat sie ihr dunkelblondes langes Haar zu einem hübsch zerzausten Dutt gebunden. Was sofort auffällt ist das breite Lächeln und ihre strahlenden blaugrünen Augen. Ohne viel Vorrede wird geduzt statt gesiezt. Schon in den ersten Minuten des Gespräch hat man das Gefühl, sich ihr gegenüber öffnen zu können, so als würde man einander schon lange kennen. Früher sei sie eher schüchtern gewesen, gibt sie zu. Dies änderte sich mit ihrem bekannt gewordenen Couchsurfing-Projekt: „Da hab ich mich selber therapiert. Ich hatte unglaubliche Angst, fremde Menschen kennen zu lernen. Und irgendwann wollte ich nicht mehr permanent aufgeregt sein, nur weil jemand neues in mein Leben tritt. Und wenn du jeden Tag aus deiner Komfortzone rausgehst und bei einem fremden Menschen klingelst, ändert sich das.“ Die Erfahrung 90 Nächte in 90 verschiedenen Betten in Wohnungen wildfremder Menschen zu verbringen hat ihr nicht nur geholfen, sich zu öffnen, sondern sie auch Toleranz gelehrt.

Foto: Linda Rauch

Doch der Reihe nach: Als Nachzüglerin mit drei älteren Geschwistern im bayrischen Schweinfurt aufgewachsen wollte sie schon als Kind das Schreiben zum Beruf machen. Schlechte Deutschnoten und Probleme mit der Rechtschreibung vereitelten diesen Plan. Der Traum vom Schreiben wich einem anderen: Schauspielerei. Doch auch daraus wurde nichts. Nach der Matura folgte das Studium Modedesign an der staatlichen Modeschule in Bielefeld. „Ich war kreativ und hab gern und gut gezeichnet … nur das mit dem Nähen hatte ich vergessen, also, dass man da auch gut sein sollte. Meine Oma war Schneiderin und ich dachte, das liegt sicher in der Familie“, erzählt sie. Sie selbst beschreibt sich in Sachen Nähen als absolut talentfrei. Christine spricht so schnell wie die Nadel bei einer Nähmaschine auf und ab saust. Doch man hört ihren Erzählungen gerne zu, denn auch wenn manches in ihrem Leben nicht nach Plan verlaufen ist, weiß sie heute: jedes Scheitern hat sie dorthin geführt, wo sie heute ist. Und das ist gut so. Ähnlich erging es ihr beim Studium. Schon bald war klar: das Nähen würde nicht zu ihrer Lieblingsbeschäftigung werden. In ihrer Abschlusskollektion gestaltete sie ein Modemagazin: Paerfect. Dieses befüllte sie mit Texten und Fotos mit den eigens entworfenen abstrakten Kleidungstücken. Das Entwerfen machte ihr großen Spaß, doch auch hier folgte die ernüchternde Erkenntnis: So würde der spätere Job nicht aussehen. So änderte sie erneut die Richtung und legte den Fokus aufs Schreiben. Sie absolvierte unterschiedlichste Praktika, beim Zeit-Magazin, den renommierten Modemagazinen Vogue und Elle. „Ich war ja Generation Praktikum und es ist schwer fix übernommen zu werden. Heute bin ich wahnsinnig dankbar, dass aus den Praktika nichts geworden ist. Mein Leben wäre ganz anders verlaufen“, erzählt sie. Der stete Wandel, das Sich-Ausprobieren macht ihr Spaß. Spaß hat Christine noch heute an ihrem Blog „Lilies Diary“, der vor 14 Jahren in New York entstand. Zu Beginn schrieb sie über die Fashion Week, die Stadt und viel Persönliches, später veränderte sich der Schwerpunkt in Richtung Reise-Input: vom Inselurlaub, Städtetrips bis Bergurlaub oder zu ihren Reisen mit Kind und Familie. Große Bekanntheit erreichte sie mit ihrem etwas verrückten Couchsurfing-Projekt, bei dem sie 90 Nächte in 90 verschiedenen Betten genächtigt hat.

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Cindyundkay

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