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Frauenpower – made in Tirol

Martha Schultz ist eine Ausnahmeerscheinung: Die umtriebige Tiroler Powerfrau ist nicht nur Geschäftsführerin der international erfolgreichen Schultz-Gruppe und Hausherrin über 1.500 Gästebetten, sondern auch Vizepräsidentin der WKO, Aufsichtsrätin bei der ASFINAG sowie Vorsitzende des European Women Network von EUROCHAMBRES. Und das – man mag es kaum glauben – ist gerade einmal die Spitze des Schultz’schen Eisbergs! PARADISE hat sich mit der Tirolerin des Jahres 2018 zu einem ausführlichen Gespräch getroffen, um herauszufinden, was ihr Herzensprojekt, das Gradonna Mountain Resort, so einzigartig in der österreichischen Tourismuslandschaft macht.

Das Gradonna ist ein Vorzeige-Projekt der Nachhaltigkeit. Was war die ursprüngliche Vision? 

2006 sind mein Bruder und ich nach Kals am Großglockner gefahren, um dort die Skilifte zu übernehmen, die uns angeboten wurden. Obwohl wir schöne Landschaft gewöhnt sind, da wir ja aus dem Zillertal kommen, hat uns das Hochplateau und die umschließende Landschaft dermaßen fasziniert. Und dann kamen zwei große Entscheidungen: Die erste war jene, dass wir die Lifte nehmen. Die zweite war es, auf diesem Hochplateau ein Hotel zu errichten, das wir nach unseren Visionen vom Tourismus in Osttirol weiterentwickeln können. Aus diesem Grund haben wir uns dann auch gegen einen Bau direkt an der Talstation entschieden – zugunsten einer Anhöhe, von der der Blick über die gesamte Weite des Tals schweifen kann.

Das Gradonna wird als Resort und nicht als Hotel geführt. Was unterscheidet für Sie ein Resort von einem Hotel?

Das Gradonna besteht ja aus Hotel und Chalets – es ist also eher schon ein kleines Dorf. 50% der Gäste sind deutschsprachig, 50% nicht. Natürlich hätte man sich auch auf eine Bezeichnung à la „Village“ etc einlassen können. Jedoch bin ich der Meinung, dass der Begriff Resort international am etabliertesten ist und auch am besten charakterisiert, was das Gradonna ist: Eben nicht nur ein Hotel, das in der Landschaft steht, sondern eine tatsächlich größere Anlage mit Chalets, Hotel, Shops und Wellnessbereich.

Design, Angebot, Service – was macht das Gradonna für den Gast so einzigartig?

Nun ja, mit dem Gradonna wurde hier etwas Neues erschaffen. Unser Resort baut auf nichts bereits Bestehendem auf und ist nichts, was es vorher in dieser Form schon mal gab. Wir haben uns auch viel Zeit gelassen, um fundiert darüber nachzudenken: 2006 wurde die Idee zum Gradonna geboren, allerdings wurde es erst sechs Jahre später eröffnet. Die grundsätzliche Idee war es, etwas zu schaffen, das sich auch harmonisch in diese wunderschöne Natur integriert und somit auch „im Auge etwas Schönes entsteht“. Wir haben im Holzcluster Tirol dann glücklicherweise die entsprechenden Architekten gefunden. Unser Anliegen war es von Anfang an, auf eine klare, straighte, einfache Architektur ohne Schnickschnack zu setzen, die von edlen Naturmaterialien bestimmt ist – ganz ähnlich wie das ursprüngliche Design der Tiroler Bergdörfer. Genau das wollten wir auch, allerdings mit der Idee, quasi ein Amphitheater zu bauen, in dem die Natur der Schauspieler ist.

Die Geburt des Gradonnas war so weniger ein reines Bauvorhaben als das Entstehen eines Organismus?

Ja, das trifft den Nagel auf den Kopf. Man sieht das etwa sehr schön an der Positionierung der Chalets: Diese wurden nicht geradlinig wie in einer amerikanischen Großstadt angelegt, sondern zufällig angeordnet, wie Pilze, die im Wald natürlich aus dem Boden sprießen. Ein anderes perfektes Beispiel ist auch unser Turm, der mit seiner dunklen Verglasung die Natur widergespiegelt: Dieser ist als Analog zum Blauspitz, einem schwarzen Berg hinter dem Gradonna, zu sehen, und reflektiert den symbiotischen Grundgedanken des Gradonnas sehr treffend. Ein ganz entscheidender Faktor bei der Auswahl der Materialien war auch die Regionalität bzw. die Nachhaltigkeit, da ich der festen Überzeugung bin, dass Tourismus in Zukunft nur noch nachhaltig sein kann! Um die Region zu stärken, haben wir uns auch dazu entschieden, das Investitionsvolumen in Osttirol zu belassen und nicht an internationale Unternehmen zu vergeben. So ergab es sich etwa während des Baus, dass wir beim Aushub wunderschöne Steine entdeckt haben, die jetzt als Kalser Marmor bekannt und im Eingangsbereich verbaut sind. Da uns niemand vor- oder hinterbauen kann, wird das Gradonna auch immer das einzigartige Gradonna bleiben – was sicher auch an unserer eigenen Wasserquelle und unserem 10 Hektar großen Wald liegt.

Stichwort Wald: Dieser ist ja seit neuestem zu einem richtigen Abenteuerland geworden…

Ja, genau. Wir haben uns gedacht: „Wenn man schon so viel Wald hat, dann kann man auch viel damit machen!“ Und so haben wir jetzt einen Kinderwald geschaffen. Die Idee dahinter ist es, die Kinder – egal bei welchem Wetter – rauszuschicken und ihnen zu vermitteln, dass der Wald viel mehr Möglichkeiten zum Spielen bietet, als einem bewusst ist. Aus diesem Grund haben wir auch keine Schaukeln oder Klettergerüste aufgebaut, den die können immer nur von wenigen Kindern gleichzeitig benutzt werden. Wir möchten das die Kinder mit dem spielen, was der Wald hergibt – und diese Bandbreite reicht von Bäumen zum Klettern bis hin zu stillen Orten, an denen man einen kleinen Staudamm bauen kann. In diesem Jahr haben wir zusätzlich Plätze im Wald geschaffen, die etwa entweder mit ihrer Stille, mit ihrer Aussicht oder auch mit ihrer bewussten „Einsamkeit“ für Begeisterung bei unseren Gästen sorgen.

Was sind die Erfolgsfaktoren, um dieses Jahr zu einer tollen Auslastung zu kommen?


An dieser Stelle fällt mir immer der Spruch einer deutschen Reisejournalistin ein: Das Gradonna liegt nicht ums Eck, aber vielleicht ist das auch gut so. Ich sage immer: Wenn ich es einmal geschafft habe, den Gast ins Gradonna zu bringen, dann kommt er üblicherweise auch wieder – einfach, weil er so begeistert war. Unsere Gäste suchen das Gradonna bewusst aus – wegen der Ruhe, der Natur und der Regionalität. Das einzig Schwierige ist es, den Gast das erste Mal ins Haus zu bekommen – doch sobald er da ist, dann läuft‘s! (lacht)

Gäste wünschen sich persönliche Gastgeber. Wie oft sind Sie selbst vor Ort, um Ihre Gäste zu begrüßen? Und was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis eines guten Gastgebers?

Da wir in unserem Unternehmen insgesamt 1.500 Gästebetten haben, ist es natürlich manchmal schwierig eine stets präsente, persönliche Gastgeberin zu sein. Es ist aber trotzdem in meiner innersten DNA verankert, ich bin nichts lieber als Gastgeberin. Die verantwortlichen Hoteldirektoren wissen das auch und leben ebenfalls diese Mentalität des Gastgebers mit Leib und Seele. Für mich ist das wichtigste Geheimnis eines guten Gastgebers ein ganz einfaches: Nämlich die Menschen so zu lieben, wie sie sind.

Mit den Schlaf-Sommelieren haben Sie schlechtem Schlaf den Kampf angesagt. Was war der ausschlaggebende Faktor für diese Zusammenarbeit?

Das Feedback eines Großteils unserer Gäste ist folgendes: Im Gradonna schläft man einfach traumhaft gut! Deswegen kommen oft Rückfragen nach den Polstern oder Matratzen. Obwohl diese natürlich von exzellenter Qualität sind, ist das noch nicht alles – denn speziell die Lage spielt hier auch noch eine große Rolle: Man sagt, dass Kals am Großglockner über eine besondere Erdkraft verfügt. Obwohl dies teils sogar empirisch belegt ist, wussten wir nichts davon, als wir mit dem Bau des Gradonnas begonnen haben. In der Wirtschaftskammer Österreich, für die ich auch tätig bin, gibt es Trendscouts, die im Ausland sitzen und uns internationale Trends melden. Einer dieser aktuellen „Trends“ ist es leider, dass 50% der Mitteleuropäer an Schlafstörungen leiden. Und was hier erschwerend hinzukommt ist die Tatsache, dass eine derartige Störung nicht mehr heilbar ist, sobald man sie einmal hat. Da dachte ich mir: Hollawint! Das Thema betrifft mich zwar zum Glück nicht, aber es interessiert mich sehr. Vor allem eben auch im Zusammenhang mit dem positiven Feedback zur Schlafqualität im Gradonna. Wir haben dann mit unserer Sparte Hotellerie eine Trendreise nach Berlin unternommen – denn in der Charité sitzen die internationalen Experten für Schlafstörungen und zudem gibt es zahlreiche Start-ups, die sich mittlerweile mit dem Thema Schlaf(störung) beschäftigen. Mein Ansatz war es dann zu sehen, was wir im Gradonna noch unternehmen können, damit unseren Gästen so ein Schicksal erspart bleibt. Ich habe mich dann mit einer Österreicherin in Verbindung gesetzt, die zertifizierter Schlafcoach ist, um die weiteren Schritte zu besprechen. Sie hat mich dann auf eine Ausbildung zur Schlaf-Sommeliere hingewiesen, die ich zwei meiner Mitarbeiterinnen machen ließ. Ich habe zwar nicht die gesamte, aber auch einen Teil der Ausbildung mitgemacht – einfach, damit ich mich auskenne und weiß, dass es kein Firlefanz ist. Der Output dieser sehr spannenden Reise ist es nun also, dass wir unseren Gästen anbieten können, bei Schlafstörungen unterstützend zur Seite zu stehen und vielleicht auch eine Achtsamkeit gegenüber dem Thema Schlaf aufbauen können, die die Gäste nachhaltig in ihren Alltag mitnehmen können.

Mit Magdalena’s by Gradonna haben Sie nun – in Zusammenarbeit mit Ihrem Sohn – auch Ihre eigene Kosmetiklinie entwickelt. Was war hier der Stein des Anstoßes und was unterscheidet die Produkte von der Konkurrenz?

In unseren Wellnessbereichen gibt es seit jeher die Grundidee, möglichst viel regional zu machen und auch anzubieten, da ich der Meinung bin, dass das Regionale vor Ort besser wirkt und etwa Ayurveda am Großglockner nicht der große Renner wäre. Ich habe mich dann nach biologischen Kosmetikserien umgeschaut und obwohl es in Österreich welche gibt, waren mir die meisten davon – offen gesagt – zu hochpreisig. Da ich für unsere Gäste Produkte wollte, die etwa aus unserem eigenen Wasser, teils auch mit Wasser aus dem Gletscherbach, und möglichst regionalen Kräutern bestehen, habe ich mit meinem Sohn zu kalkulieren begonnen – und wenig später war das Konzept zu unserer eigenen, nachhaltigen Kosmetiklinie geboren! Wir betreiben kein Marketing für die Linie, verwenden einfache Tiegel, keine folierte Umverpackung und kleine Chargen, so dass wir immer wieder frisch produzieren. Durch die Kombination dieser Faktoren war es uns nicht nur möglich eine wirklich hochwertige und konkurrenzfähige Kosmetikserie herauszubringen, sondern auch eine, die durch ihren günstigen Preis besticht.

Verraten Sie uns zum Abschluss noch ein Geheimnis: Was war das schrägste Erlebnis, dass Sie bisher erlebt haben?

Da fällt mir eine Geschichte ein, bei der es mir wirklich alles zusammengezogen hat: Ein Gast hat einen ganz klassischen, wunderbaren Kaiserschmarrn bestellt. Er war nicht deutschsprachig und hat dazu – man mag es kaum glauben – auch eine Flasche Ketchup geordert. Ich habe dann in meiner Rolle als Gastgeberin versucht, ihn aufzuklären, dass das ein absolutes No-Go ist. Obwohl ich mein Bestes gegeben habe, ist mir das im Endeffekt leider nicht gelungen – weswegen ich mir schlussendlich dachte: Ich lasse den Gast einfach Gast sein!

Vielen herzlichen Dank für das erhellende und erheiternde Gespräch, Frau Schultz. Wir wünschen Ihnen alles Gute für die kommende Wintersaison!  

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