aufmacher Talblick vom Warscheneck zur Wurzeralm sulzbacher_Bergpanorama (c) Bruno Sulzbacher
aufmacher Talblick vom Warscheneck zur Wurzeralm sulzbacher_Bergpanorama (c) Bruno Sulzbacher

GLAMPING: CAMPING IST CHARAKTERSACHE

Die hinsichtlich der richtigen Schreibweise fehleranfällige Region Pyhrn-Priel hat einige Raritäten und Naturschönheiten zu bieten – wie den smaragdgrünen Gleinkersee, der versteckt zwischen steilen Felswänden liegt. Ein Pop-up-Glamping-Projekt direkt am See überzeugte nicht nur die wenig zelt-erfahrene Journalistin, sondern auch alle Campingnachbarn. Trotzdem sich das Wetter mehr als bedeckt hielt und eine Wanderung überraschenden Protest zeitigte, erwies sich die Reise als wiederholenswert.

 

Peng! Ein Fußball knallt gegen die Zeltwand. Doch die fünf Meter Durchmesser fassende Behausung steckt den Angriff mit einem kurzen Zittern weg. Während ein kleines Zwei-Mann-Zelt bei der Attacke wohl fast aus den Heringen gehoben worden wäre, ist dies Dank Luxuszelt kaum der Rede wert. Ein Blick ins Innere zeigt keine Paralleln zum Camping von früher: Gleich neben dem Eingang steht eine schicke Holzgarderobe, an der mittels Lederschlaufe ein Spiegel hängt. Die perfekte Out-of-bed-Frisur will noch kontrolliert werden bevor man auf dem Liegestuhl am Eingang sitzend den ersten Kaffee mit Blick auf den Gleinkersee schlürft. Und ja, richtig gelesen: bed. Samstagfrüh weckt mich bei Sonnenaufgang ein Vogelkonzert, dem sich eine atonale Ente angeschlossen hat. Ich öffne die drei Zippschichten: Innenhaut, Insektenschutz und Außenplane. Der Himmel ist schwarzgrau wolkenverhangen, das Wasser des Sees beginnt etwa fünf Meter vor meinen Füßen. Die Luft ist kühl. Zu kühl für Ende Mai, in der Nacht hat es wieder geregnet. Ich spaziere kurz über die wassergesättigte Wiese und werfe einen Blick auf die sechs Zweimannzelte nebenan, wo sich die Bewohner wohl gerade auf Iso-Matten in ihre Schlafsäcke kuscheln. Fast habe ich ein schlechtes Gewissen als ich eine Minute später im Inneren des Glampingzelts meine Schuhe abstreife, barfuß über den Kokosfaser-Teppich zum Bett tapse und unter die noch warme blütenweiß bezogene Decke schlüpfe. Im Halbdunkel blicke ich um mich: Wüsste ich nicht, dass die Wände aus wasserdichtem und feuerfestem Segeltuchstoff bestehen, könnte man den mehr als drei Meter hohen Raum mit einem Hotelzimmer verwechseln. Stunden später weckt mich halblautes Geplapper. Englische Satzfetzen dringen in meinen Schlaf … Unser Zeltnachbar Dominik, der bereits eine Führung durch unser Reich bekommen hat, erklärt interessierten Wanderern was es mit unserem cremefarbenen Zelt-Ungetüm auf sich hat. „Inside there is an entire bedroom!“, höre ich ihn sagen. Ich grinse vor mich hin und denke: Ganz genau so ist es. Ein bisschen bleibe ich noch liegen und warte bis mein Freund Michael den Kaffee serviert.

Foto: Bruno Sulzbacher

Bio-Schweine leben länger

Noch hat der Gleinkersee nur 14 Grad. Ungewöhnlich für Ende Mai. Schuld daran sind die anhaltend niedrigen Temperaturen kombiniert mit viel Regen. Aber bald wird sich der 14 Hektar große Bergsee in Trinkwasserqualität erwärmen: bis zu 25 Grad erreicht er im Sommer. Während des dreitägigen Aufenthalts umrunden wir das Gewässer mehrmals. Beim ersten Mal kommen wir kaum vom Fleck, da es alle paar Meter einen besonderer Ausblick, ein malerisches Bankerl, einen romantischen Lichteinfall zu bestaunen und zu fotografieren gibt. Zurück am Campingplatz ist es Zeit fürs Abendessen. Schon während der Anfahrt habe ich die Speisekarte vom Gasthaus Seebauer nahezu auswendig gelernt. Die Entscheidung schien schon vor Stunden gefallen: Schweinsbraten von der berühmten „Gleinkersau“. Die Mangalitza- oder Turopolje-Schweine haben auf dem dazugehörigen biozertifizierten Hof von Gunda und Klaus Dutzler ein gutes Leben. Ein Bio-Schwein darf im Gegensatz zu konventionellen Schweinen auch im Freien unterwegs sein. Es lebe deutlich länger und fresse deutlich teureres Futter, erklärt Klaus. Der Einsatz lohnt wie sich noch vor dem Essen herausstellen wird: Während wir das Angebot studieren, spazieren einige Gäste an uns vorbei. Eine ältere Dame bleibt unvermittelt stehen und gebietet resolut: „Ihr müsst unbedingt das Bratl probieren – es war das Beste, das ich je gegessen habe!“ Eine Szenerie wie in einem Werbefilm, nur in echt. Michael folgt dem Ratschlag, und ich – sicher vom Teller meines Freundes eine Kostprobe zu erhalten – entscheide mich nun doch für den Mariazeller Bio-Saibling. Aktuell haben die Dutzlers 25 Rinder und 15 Schweine. In der Hochsaison findet sich kaum ein leerer Sessel, in dem von vier Kastanien beschatteten Gastgarten. Über 20 Mitarbeiter braucht es, um den Andrang zu bewältigen. Alle verwendeten Lebensmittel sind bis auf wenige Ausnahmen biozertifiziert: vom Speck bis zu den Nudeln wird alles selbst gemacht. Convenience-Produkte finden sich keine. „Wir wollen, dass unsere Gäste wissen, was auf den Teller kommt. Da gibt es maximale Transparenz und eine Bio-Zertifizierung ist da die Grundvorraussetzung. Wir achten aber auch darauf, dass wir unsere Produkte nicht nur in Bioqualität anbieten, sondern, dass die Lebensmittel auch regional produziert werden. Das unterstützt kleine Betriebe und, davon bin ich überzeugt, man schmeckt auch den Unterschied“, erklärt Klaus. Auch der Proviant-Automat spuckt auf Knopfdruck ausschließlich Bio-Produkte aus: österreichische Chips, Bio-Gummibären, Bio-Bier und -Limonaden, hauseigene Würstl und Zotter-Schokolade.

Foto: Bruno Sulzbacher

„Wollten die Buben nachhause?“

Bei der Ankunft am Gleinkersee stand das Glampingzelt noch alleine am Gelände. Als wir nach einem Ausflug in die Umgebung wiederkommen sind sechs kleine Zelte in verschiedenen Grünschattierungen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Unsere Nachbarn sitzen auf mitgebrachten Campingstühlen mit integrierter Getränkehalterung um eine wärmende Feuerstelle. Sieben Buben spielen Fußball auf der Wiese. Die Einladung der dazugehörigen sechs Väter gemeinsam ein Bier zu trinken nehmen wir gerne an. Ich bin ohnehin neugierig auf die Menschen, die sich bei derart schlechter Wetterlage ans Campen wagen. Das Grüppchen eines Kinderfußballvereins zelebriert ein Väter-Söhne-Wochenende. Nach unseren Plänen befragt, erzähle ich von einem kleinen Rückschlag: Denn Europas einzigartiges Wilderermuseum in St. Pankraz öffnet leider erst 2022 wieder. Dominik weiß Abhilfe zu schaffen, denn sein Urgroßvater, Michael Berger, war einst Revierjäger in Windischgarsten. Als Kind hat er fasziniert den Erzählungen über die Abenteuer des Jägers gelauscht. Einmal habe der Urgroßvater einen Wilderer bis in die Stube eines Bauernhauses verfolgt – dort sei er von diesem niedergeschlagen worden, ohne das wohl ohnedies geschwärzte Gesicht gesehen zu haben, erzählt er. Als der Revierjäger wieder zu sich kam war der „Rebell“ längst verschwunden. Verschwunden werden auch einen Tag später fast alle Nachbarzelte sein. Zu kalt, zu feucht, zu unbequem lautet unsere Vermutung, die auch Dominik bestätigt, der als einziger mit Sohn Timmi am Platz ausharrt. „Wollten die Buben nachhause?“, frage ich nach. „Nein, die Väter“, so die Antwort. Wir amüsieren uns gemeinsam über die Situation, doch Michael und ich haben gut lachen: Denn wir wohnen ohnehin wie im Hotel. Den Abend beschließt unser hartgesottener Zeltnachbar mit seiner Gitarre Roy Orbison und Lady Gaga. Für das „Shallow“-Duett braucht er eine Partnerin: mich. In weinseliger Laune lasse ich mich dazu hinreißen. Dominik ist ein guter Begleiter und singt auch meine Stimmlage zur Unterstützung mit. Das Gute: der Campingplatz ist leer. Denn eines ist sicher, Grammy krieg ich für meine Darbietung keinen.

Foto: Glampingwelt

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Bruno Sulzbacher

News

Zehn Iglus und fünf Saunen

Originell in Estlands Hauptstadt wohnen Mit dem Iglupark hat Tallinns Kollektion außergewöhnlicher Hotels einen weiteren originellen Neuzugang bekommen.

News

DIE SEER – STAD

Erleben Sie DIE SEER hautnah im exklusiven STAD Konzert Nach dem großen Erfolgen der letzten Jahre und auf