beinhaus-hallstatt-c-krauss-hallstatt-net-0011-5213 ©Krauß:www.hallstatt.net
beinhaus-hallstatt-c-krauss-hallstatt-net-0011-5213 ©Krauß:www.hallstatt.net

HÜTENTOUR: MONDWANDERN AM DACHSTEIN

Wenig Schlaf, schmerzender Muskelkater sowie schweres Marschgepäck klingt mehr nach militärischem Drill denn nach Urlaubsentspannung. Doch das stille Wandern, die Berge samt kleiner und großer Erfolgserlebnisse sorgen für Glücksgefühle. Der Weg unter dem Dachstein führt über vier Hütten, Almwiesen, Geröllhalden, durch Stahlseile gesicherte Kletterpassagen und den Gletscher. Eine Wanderung zwischen Serotonin, Voltaren und Polstergate.

Foto: Krauß/www.hallstatt.net

Hinter den Bergen türmen sich dunkle Wolken zu einer bedrohlichen Gewitterwand auf. Rechts davon ziehen weiße Wolkenbänder über die Bergrücken und lösen sich an den Enden rasch auf. Eine etwa acht Kilometer lange Strecke durch die graue Karstlandschaft unter dem Hohen Dachstein liegt hinter, fünf weitere Kilometer vor uns. Die Beine fühlen sich nach einer kurzen Orientierungspause bleischwer an. Unsere sechsköpfige Wandergruppe ist vom rechten Weg abgekommen. Der Richtige scheint laut Karte und App ganz nahe und parallel zum jetzt begangenen zu verlaufen, doch an ein wildes Queren ist nicht zu denken. Zu dicht stehen die Latschen, unüberwindlich das übereinander geschichtete Gestein. In einiger Entfernung thront eine ehemalige Kaserne auf einer Anhöhe. Manche der gelben Fensterläden sind geschlossen, andere offen. Eine grün überwucherte Straße führt an einem kleinen hochaufragenden Häuschen vorbei. Aus der Distanz lässt sich nicht erkennen, ob es sich dabei um eine gesicherte Toranlage handelt. Wir nehmen das Risiko in Kauf. Ein Umgehen würde zu lange dauern. Wenig später stehen wir vor der verlassenen Bergkaserne. Die zwei ersten Buchstaben des Namens Oberfeld, der über dem Eingang prangt, fehlen. Ein Blick in das Innere lässt die Frage nach möglichen Bewohnern offen. Auf einem der Tische stehen eine ungeöffnete Bohnensuppen-Dose samt Teller, Kaffeetasse und Tupperware mit angetrockneten Essensresten. Das Durcheinander erinnert an einen dystopischen Film, bei dem eine Katastrophe einen schnellen Aufbruch nötig gemacht hat. Seit fast zehn Jahren befindet sich das Anwesen im Dornröschenschlaf. Der Anfang 1930 errichtete Truppenübungsplatz samt Kaserne Dachstein-Oberfeld wurde bis 2009 militärisch genutzt. Anfang 2022 soll das vor Jahren angekündigte Hotelprojekt auf 1832 Metern Seehöhe endlich in Angriff genommen werden. Auch für uns Wanderer scheint sich alles zum Guten zu wenden. Der gesuchte Weg 654 ist gefunden und das Wiesberghaus als letztes Hütten-Etappenziel nur noch zwei Stunden entfernt.

Coverfoto: Krauß/www.hallstatt.net

WÄHRUNG
Euro

SPRACHE
Deutsch

ZEITUNTERSCHIED
keiner

REISEZEIT
vom 1. Juli bis 2. Oktober

KOSTEN
1390 Euro

BERGFÜHRER
auf Anfrage

MITBRINGEN
gute Kondition, entsprechende Ausrüstung (Corona-bedingt: Schlafsack und Kopfpolsterbezug)

START & ZIEL
Gosau am Dachstein

ANREISE
z.B. öffentlich nach Steeg-Gosau mit oebb.at, Weiterreise mit Postbus nach Gosau Abzw. Pass Gschütt

ANLAUFSTELLE
ORGANISATION & CO
Das Team der Salzkammergut Touristik organisiert seit 28 Jahren Reise-Packages für Individual- und Gruppenreisen, Gepäcktransfer, geführte Wanderungen, Mountainbiketouren, Schneeschuhwanderungen uvm. Sie ist Buchungsstelle für alle Ausflugsziele im Salzkammergut. Die 13 MitarbeiterInnen sind spezialisiert auf authentische, familiengeführte Unterkünfte, komplexe Reisepakete und kennen jeden Leistungspartner persönlich. Für jeden Buchungsauftrag wird ein Baum im Salzkammergut gepflanzt.

www.salzkammergut.co.at

TOUREN
DACHSTEIN RUNDWANDERWEG: Die Hüttentour
Seit 1997 darf sich der hohe Dachstein „Welterbe Natur- und Kulturregion“ nennen. In fünf Etappen führt die Wanderung von Hütte zu Hütte. Beeindruckende Bergpanoramen, Almen und Hochplateaus, aber auch versicherte Stellen und ein Gletscher sind dabei. Bei Schlechtwetter gibt es Alternativrouten.

FÜR GENIESSER
Vier Tage, drei Nächte, inklusive schulterentlastenden Gepäcktransport in der Dachstein-Region unterwegs. Die Etappen dauern zwischen drei und sechs Stunden. Hüttennächtigung ist auch dabei.

ENNSTAL PANORAMAWEG
Technisch wenig anspruchsvolle Wanderungen und Nächtigungen in Hotels und Gasthöfen. Inkludiert sind bei der Schladming-Dachstein Sommercard u.a. die Gondelfahrt zur Bergstation Hunerkogel am Gletscher, Bäder, Bergbahnen, Museen uvw.

WANDERN FÜR ANFÄNGER
Langsam starten, Pausen einplanen, genügend Wasser und Jause mitnehmen nicht vergessen.

HIGHLIGHTS

REISE ZUM MOND
Die Karsthochfläche „Auf dem Stein“ ist karg, grau und erinnert an eine Mondlandschaft. Bei Schlechtwetter ist Vorsicht geboten. Beim Heilbronner Dachsteinunglück im Jahre 1954 kamen nahe dem Krippenstein bei einem Schneesturm drei Lehrer und zehn Schüler ums Leben.

BEINHAUS
Das beeindruckende Beinhaus am Hallstätter Friedhof ist einen Besuch wert. Vom Baustellen-Absperrband, das über drei Gräber gespannt ist, darf man sich nicht abschrecken lassen. Schade, dass manche gedankenlose Besucher dies notwendig machen.

GRENZEN AUSLOTEN
Das stundenlange Gehen ist ebenso anstrengend wie bereichernd. Die Stille und Weite am Berg sowie das gemeinsame Erleben und die Bewältigung der Etappen verbindet.

ÜBERNACHTEN

SERIENLIEBLING
Die privat geführte Südwandhütte verfügt zwar über keine Duschen, hat aber dafür sonst alles, was man braucht: selbst gemachten Apfelstrudel, gut gelaunte Mitarbeiter und eine angenehme Atmosphäre. Die Hütte hatte bereits zwei Auftritte in der Serie „Die Bergretter“.

GUTTENBERGHAUS
Von der Terrasse überblickt man das Tal, die Gondeln der Krippenstein-Bergbahn glitzern in der Sonne wie Christbaumkugeln. Auch abends zum Sterne schauen ideal. Essen sehr gut und Stube urig.

DAS BESTE KOMMT
… zum Schluss: Die Naturfreunde-Hütte Wiesberghaus unter der Leitung von Teresa Kritzinger zählt zu den Highlights. Zimmerschlüssel gibt es nicht, außer man möchte einen. Manchmal wird auch musikalisches Programm geboten: die Familie praktiziert noch Hausmusik.

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Krauß/www.hallstatt.net