kuehe treiben image00017 (c) Carola Leitner
kuehe treiben image00017 (c) Carola Leitner

IN DER MAREMMA: EINMAL COWGIRL SEIN

Lasso werfen, Rinderherden treiben und einen echten Mustang reiten – wer denkt, dafür nach Amerika reisen zu müssen irrt. Denn was nach verkitschter Westernidylle klingt ist für die letzten Cowboys der italienischen Maremma Arbeitsalltag. Die englische Bezeichnung hören die Butteri übrigens nicht so gerne, schuld daran ist Buffalo Bill …

Breitbeinig steht eine 650 Kilogramm schwere Maremma-Kuh vor mir und meinem Pferd Bucefalo und senkt bedrohlich den Kopf mit den langen geschwungenen Hörnern. Die vorsichtigen zwei Schritte in Richtung der Hörner hätten drohend ausfallen sollen. Das silbergraue Rind gibt sich unbeeindruckt. Keine drei Meter trennen mich von dem Tier, das nicht weichen will. Eine heiße Welle der Verunsicherung breitet sich in meinem Körper aus. Ich kann spüren, dass es meinem Rappen ebenso ergeht. Es ist mein erster Tag als Cowgirl und die Unerschrockenheit hat sich mit der widerspenstigen Kuh in Kampfstellung blitzschnell verflüchtigt. Darüber nachzudenken habe ich jedoch keine Zeit, denn schon sprengt Marco auf seiner dunkelbraunen Stute heran. Er schwingt den uncino, einen langen Holzstab mit Haken, und schon macht die Kuh kehrt und galoppiert zu den anderen. Der Moment der Unsicherheit ist kurz darauf vergessen, erst am letzten Tag, wird Giulio Costi, der Reitführer unserer fünfköpfigen Damenrunde, eine unerwartete Auflösung bringen.

Foto: Carola Leitner

Tradition hat ihren Preis

Die italienische Maremma erstreckt sich von der unteren Toskana bis ins obere Latium. Die Weiten der macchia sind das Arbeitsgebiet der berittenen Hirten der Maremma. Marco Mariotti ist einer von ihnen. Schon sein Vater und sein Großvater haben als Butteri gearbeitet und die für die Gegend typischen Maremma-Rinder und Maremma-Pferde gezüchtet und gehütet. Marco war schon immer als Buttero tätig, auch während seines Biologiestudiums. Nach dem Abschluss entschloss er sich die Familientradition fortzuführen und ist seither hauptberuflich auf der Azienda Agricola Mariotti in Montalto di Castro als Buttero zu Pferd, zu Fuß oder mit dem Traktor im Einsatz. Der 44-Jährige sitzt täglich im Sattel, manchmal sind es nur zwei Stunden, manchmal der ganze Tag. Denn gilt es Gatter für eine getriebene Viehherde zu öffnen wird nicht abgestiegen. Geschickt öffnet er mit dem Haken an seinem uncino jedes Tor. Mit dem Stab dirigiert er die Rinder oder hebt seinen zu Boden geflatterten Hut wieder auf. Marco liebt seinen Job. Er behandelt seine Rinder mit Respekt und verrichtet die Arbeit ruhig und ohne Hast. Auch als seine noch junge Stute Corniola, die er zum Arbeitspferd ausbildet, sich weigert durch eine große Regenpfütze zu gehen, bleibt er geduldig. Mit ihren sechs Jahren sei sie jung und habe noch viel zu lernen, erklärt er. Der Preis für die noch in Ausbildung befindliche Stute liegt derzeit bei 6000 Euro. „Für ein fertig ausgebildetes Pferd, das alle Feinheiten kennt und furchtlos mit den Kühen arbeitet, sind noch etwa 2000 Euro draufzulegen“, so Marco. Der Buttero führt uns an den Tagen, an denen wir mit ihm arbeiten dürfen, zwei seiner Sättel vor. Einer ist reich an Verzierungen und verrät rückwärtig mit kleinen Nägeln getrieben, die Initialen des Vorbesitzers. Die Sättel der Butteri sind handgefertigte Einzelstücke. Den Preis beziffert Marco mit rund 3000 Euro – aber verkaufen würde er ihn ohnehin niemals. Marco zählt zu den letzten italienischen Cowboys. Laut Stefano Senserini von der Associazione Butteri d’Alta Maremma, gibt es noch etwa dreißig, die diesen Beruf ausüben. „Meist in staatlichen oder regionalen Betrieben der Toskana und des Latiums und in sehr wenigen anderen Familienbetrieben. Zudem gibt es etwa zehn Vereinigungen wie die unsere, die dieses alte Handwerk durch Ausstellungen und Veranstaltungen fördern und verbreiten“, erzählt er.

Covefoto: Carola Leitner

WÄHRUNG
Euro

SPRACHE
Englisch (Toursprache) und
Italienisch

ZEITUNTERSCHIED
keiner

TERMINE
vier Termine pro Jahr, siehe Website:
toscanahorse.de

IMPFUNGEN
keine; Tetanus-Schutz empfohlen

PFERDE & CO
Maremma-Pferde, Araber-Kreuzungen, Westernsattel

KOSTEN
ca. 1750 Euro im Doppelzimmer

EINREISEDOKUMENTE
Reisepass, EU-Bürger brauchen kein Visum

GUTE VERBINDUNGEN
CO2-sparende und komfortable Anreise mit dem Nachtzug von Wien nach Chiusi-Chianciano Terme; auch Abholung Flughafen oder Hauptbahnhof Rom möglich

INDIVIDUELLE BERATUNG
Illa Knappik war sieben Jahre auf Sardinien als Reitguide tätig und hat auf der Suche nach einem weiteren Pferdeparadies in Zusammenarbeit mit Giulio Costi und Pietro Mariotti das Konzept des Rittes „Reiten mit den Butteri der Maremma“ ausgearbeitet. Beim ersten Test-Ride war sie mit von der Partie. Ihr Credo ist es, wenige, dafür besondere Plätze anzubieten, mit engagierten Menschen, die die alten Traditionen fortführen.
toscanahorse.de

TOUR
REITEN MIT DEN BUTTERI
Während der Reittage erlebt man die Arbeit der Butteri hautnah mit und lernt diese unter Anleitung auch auszuführen: Lasso schwingen, Kälber fangen, Rinderherden treiben. Buttero Marco Mariotti zeigt wie es geht. Ingesamt sieben Tage mit Vollpension inklusive mittäglichen Picknicks.

WISSENS- & GLAUBENSFRAGEN
Guide Giulio liefert hoch zu Ross historische Details zum Räuber Tiburzi, der Vie Cave oder dem italienischen Leben. Bei Tisch wird gut gespeist sowie angeregt über die richtige Kochzeit der klassischen Spaghettisauce diskutiert – eine Glaubensfrage.

SHOWTIME
Die L‘associazione Butteri d‘Alta Maremma organisiert Vorführungen, bei denen die Butteri ihr Können zeigen. Programm und Termine finden sich auf der Website oder direkt bei Stefano
Senserini: www.butteri-altamaremma.com

TIPP

Beim Lasso schwingen jemand beauftragen den Paparazzo zu machen: Beweisvideo oder -foto macht Freude!

HIGHLIGHTS
NICHT NUR ZUSCHAUEN
Die grauen Maremma-Rinder zu Pferd über die Weiden treiben, einzelne Kühe von der Herde trennen, das Lasso schwingen oder beim Marken der Kälber helfen – wir sind keine Beobachter, sondern helfen mit …

AM TELLER
Picknick unter Bäumen, idyllisch am Fluss oder bei unsicherer Wetterlage in der mit Strohballen gefüllten Scheune der Farm, am Teller: Bufala, Tomaten, Obst und Gemüse, Schinken, Brot und Co – die Butteri servieren gegrilltes Rinderhack aus eigener Produktion.

ZU PFERD DURCH DIE AUSGRABUNGEN
Der archäologische Park in Vulci ist besonders, denn Farmarbeit und Ausgrabung bestehen nebeneinander. Die freigelegten etruskischen Stadtreste befinden sich am Areal der Familie Mariotti, umgeben von Wiesen und Weiden, Rindern und Pferden.

ZEITREISE
Der Rückritt führt durch die beeindruckend in den Fels gehauenen Vie Cave sowie die mittelalterliche Tuffstein- Stadt Sorano.

ÜBERNACHTEN AGRITURISMO PIETRAFITTA
Das Frühstück wird im Anwesen von Pietro und Fabiola Mariotti eingenommen. Schon im Eingangsbereich befindet sich ein Mini-Museum etruskischer Kunstwerke und antiker Funde. Gespeist wird stilvoll auf Hutschenreuther Porzellan-Tellern im Salon. Der livrierte Kellner serviert Cappuccino, Rührei und Co. Im Garten defilieren Pfaue um den
großen Pool …

AGRITURISMO IL CORNACCHINO
Umgeben von Kastanien-, Eichen- und Nadelwäldern schmiegt sich das Idyll aus alten Steinhäusern, verwunschen an den Hang eines abgeschiedenen Tals im Naturpark Monte Penna. Drei Familien betreiben den italienischen Hof mit 60 Pferden, zehn Eseln, vier Hunden und vielen Katzen.

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Covefoto: Carola Leitner