Nationalpark Podyjo_ICT A7R08459 (c) Weinviertel Tourismus GmbH : Gollner
Nationalpark Podyjo_ICT A7R08459 (c) Weinviertel Tourismus GmbH : Gollner

IRON CURTAIN TRAIL: KLEINER GRENZVERKEHR AUF ZWEI RÄDERN

Lange war das Grenzgebiet zwischen der einstigen Tschechoslowakei und Österreich kein Ort, an dem man seine Freizeit verbringen sollte. Die Sperrzone mit ihren Grenzanlagen hat viel Schmerz und Tod gebracht. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich viel geändert: heute kann man das „Grüne Band“ mit dem Fahrrad erkunden. So radelt man nicht nur durch unberührte Natur, vorbei an Burgen, Schlössern und kleinen Manufakturen, sondern auch vorbei an den stillen Zeugen der dunklen Vergangenheit … 

Die rund 10.000 Bunker entlang der tschechischen Grenze stehen nah beinander, fast hinter jeder Kurve versteckt sich einer hinter Gestrüpp oder mitten im Acker stehend. Die Nutzung der massiven Schutzbauten, die zur Abwehr von Adolf Hitlers Truppen errichtet wurden, fällt unterschiedlich aus: Sie dienen als Hochstand-Erhöhung oder Unterbau eines schicken Microhouses mit Sichtkamin und Designer-Stuhl. Doch die meisten verrotten langsam. Immer wieder überqueren meine Radbegleitung Michl und ich auf unseren Mountainbikes die Grenze zwischen Österreich und der ehemaligen Tschechoslowakei – in beide Richtungen. Die Schilder mit Aufschriften wie „Achtung Staatsgrenze“ erinnern daran, ohne die Tafeln würde man den Grenzübertritt nicht bemerken. So manch überdimensionierter landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetrieb, dessen verwaiste Stallungen und Hallen Rost und Grün angesetzt haben, erinnern die Radler, wo sie sich gerade befinden. Auf der österreichischen Seite geht es in den Dörfern aufgeräumt und ruhig zu. Das Dorfleben scheint beim Nachbarn lebendiger zu sein. Der idyllische Weg durch die Waldviertler Blockheide, über die Landstraßen und gut beschilderten Pfade, die immer wieder in österreichische und tschechische Dörfer führen, sorgt für Entschleunigung. Das Tempo geben die Wegbeschaffenheit und die eigene Fitness vor. Wir erradeln ein Teilstück des 10.000 Kilometer langen Iron Curtain Trails: von Gmünd bis Laa an der Thaya. Die Route der EuroVelo 13 selbst durchquert 20 Staaten und führt entlang des Eisernen Vorhangs, von der Barentssee bis ans Schwarze Meer.

Foto: Kastner

Verschwundene Dörfer und eine gemeine Kante

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Sowjetunion ihren Machtbereich abzuriegeln. Entlang der Grenzen wurde eine teils mehrere Kilometer breite Schneise kahlgeschlagen, viele Dörfer geschliffen. In eine dieser Ortschaften mit Kapelle, einer deutschen Schule, Gemeindeamt, Greisslerei und Feuerwehr bringt uns Erich Mader, der sich als eine Art wandelndes Lexikon entpuppt. Der pensionierte Polizist weiß, wo die verschwundenen Dörfer zu finden sind und kennt viele historische Hintergründe auf beiden Seiten der Grenze. Unser Hobby-Guide hat viel zum Thema gelesen und zahllose Gespräche mit Zeitzeugen des Eisernen Vorhangs geführt. Mittlerweile seien nur mehr wenige übrig, erzählt der 61-Jährige. An den Resten des einst 259 Einwohner fassenden Dorfes Romau würde man wohl achtlos vorüberradeln. Ein paar moosbewachsene Steine markieren die Umrisse der Kapelle, deren erhabenen Eingang zwei Laubbäume bilden, dort wo sich wohl früher der Altar befand wurde ein Kreuz aufgestellt. Seit 2008 finden hier österreichisch-tschechische Versöhnungswallfahrten statt. Gelsen umschwirren uns gierig. Erich hebt einen schweren Stein an und legt den mehrere Meter tiefen Brunnenschacht darunter frei. Etwas abseits liegt halbverwittertes Kochgeschirr zwischen den Bäumen: zerbrochene Pfannen, ein durchgerosteter Topf mit Resten von blauweiß marmorierter Emaille. Die Natur arbeitet stetig an der Tilgung der letzten Spuren der Zivilisation. Zehn Dörfer gab es hier an der Grenze einst, erklärt Erich und tritt erneut in die Pedale seines sauteuren Mountainbikes. Ich kann kaum mit seinem Tempo mithalten. Um ihn etwas zu bremsen stelle ich meine Fragen wohldosiert während der Anstiege, doch dem trainierten Radler geht auch bergauf beim Erzählen nie die Luft aus. Längst haben wir den ausgeschilderten Weg des EuroVelo 13 verlassen und kurven abseits durch den kühlen Wald. Nächste Station: die Klosterkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Neubistritz, deren Grundmauern um 1501 errichtet wurden. Das Haupttor ist zwar verschlossen. Wir klopfen an der Rückseite und dürfen eintreten. Die frisch renovierten Wände sind strahlend Weiß, der mächtige Altar mit Marmorsäulen und Heiligenfiguren blitzblank. Weiter geht es Richtung Burg Landštejn. Dort angekommen spazieren wir innerhalb der Gemäuer an zwei Restauratorinnen und mehreren Arbeitern vorbei und erklimmen mit etwas schweren Beinen den Turm. Danach schlägt Erich einen Umweg zum Biathlonareal Stáre Město vor, wo wir kurz das Training stören: Etwa zwölfjährige Buben und Mädchen beäugen uns skeptisch als wir in gebührendem Abstand und freundlich grüßend am Schießplatz vorbeirollen. Nach dem Besuch eines jüdischen Friedhofs, dessen älteste Grabsteine auf 1610 datieren, begleitet uns Erich noch ein Stück. Die letzten Kilometer nach Slavonice finden wir alleine.

Foto: Carola Leitner

Den Hauptplatz von Slavonice teilen sich eine Gruppe gut gelaunter Jugendlicher, Einheimische und Radtouristen. Die abendliche September-Luft ist noch warm, aus einem Lokal duftet es nach frisch gehackten Kräutern und Zwiebeln, in den Gastgärten sind alle Stühle besetzt. Während sich die Jugend mit sich selbst beschäftigt, bestaunen die Touristen die beeindruckenden Bürgerhausfassaden mit den Fresken und Sgrafitti mit mythologischen Figuren, Herrschern und Gelehrten. Wir beobachten mit vollen Bäuchen, ein pivo am Tisch, das Treiben. Am nächsten Morgen gilt es nach dem Frühstück einen platten Reifen zu reparieren. Erfreulicherweise verfügt der Radraum des Hotels Pivonka über Pumpe und Werkzeug. Auf unserem Weg nach Drosendorf überholt uns ein Senioren-Pärchen flott auf zwei E-Bikes. Kurz darauf fällt uns der grauhaarige Radler quasi vor die Füße und kann sich kaum aus dem Wirrwarr aus Rahmen, Reifen und Beinen befreien. Zum Glück ist er unverletzt. Es dauert jedoch nicht allzu lange bis ich es ihm gleichtue: Ich stürze und prelle mir das linke Schienbein. Doch noch ist der Schrecken größer als die Schmerzen. Wir fahren weiter. Für die heutige dritte Etappe ändern wir die vorgeschlagene Routenführung und fahren ein Stück des Thayatal-Radweges auf der tschechischen Seite über Slavetin, Pisecné und Nové Sady. Einige der tschechischen Gasthöfe sehen verlockend aus, doch wir erreichen diese zur nachmittäglichen Unzeit und finden nur verschlossene Türen vor.

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Weinviertel Tourismus GmbH / Gollner

News

Sun Lodge

Traumtage in den Bergen und Tagträumen im Spa. Die Aussichten stehen auf Entspannung, viel Raum und einem nahezu

News

Jedes Glas erzählt eine Geschichte

850 Jahre Weinbaugeschichte verzeichnen die Zisterziensermönche des Stiftes Zwettl heuer im Schloss Gobelsburg! Grund genug, dass der Brandstätter