on the road Cuba_021
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REISEERINNERUNGEN: KUBA ZWISCHEN HAPPINESS UND ELEKTROSCHOCK

Was bleibt in Anbetracht abgesagter Reisen und schwieriger Planbarkeit? Die Erinnerung an Vergangenes. Doch die Schönheit so mancher Rückschau liegt manchmal in der Verklärung. Eine Reise ins sozialistische Kuba des Jahres 2003 entpuppt sich als interessanter Zeitschnipsel, Idealisierung ausgeschlossen. Dafür sorgen u.a. Mangelwirtschaft und staatliche Hotels mit Ostblock-Charme. Um die Anlagen auf den durchlöcherten sowie leergefegten Autobahnen zu finden ist man auf die Hilfe von Einheimischen angewiesen …

 

 

„Wir können auch schwarz bezahlen …“, übersetze ich das Angebot meines Freundes Max für unsere kubanischen Gastgeber ins Spanische. So ließe sich am Staat vorbei mehr an uns verdienen. Für die paar Tage, die wir in der Casa particular in Havanna ein Zimmer zur Untermiete bewohnen, lohne sich eine offizielle Angabe nicht so recht, so unsere Überlegung. Die dueña ist entsetzt und entgegnet, das sei undenkbar. Jeder zweite Nachbar sei ein Spitzel, ausländische Gäste blieben niemals unentdeckt. Beschämt füllen wir den staatlichen Meldezettel aus. Seit Beginn der 1990er-Jahre ist es den Kubanern erlaubt Zimmer an ausländische Gäste zu vergeben. Wer auf Devisenbasis vermieten will, muss jedoch eine staatliche Lizenz besitzen und Abgaben leisten. Die Beherbergung von Touristen ohne offizielles Papier kann teuer werden. Das Strafmaß reicht von hohen Zahlungen bis zur Beschlagnahmung von Haus oder Wohnung wie wir später erfahren. Kein Wunder, dass dem älteren Ehepaar kurz der Atem stockte, als wir sie unwissend zu einem möglicherweise folgenschweren Delikt anstiften wollten. Nichtsdestotrotz scheinen sie die gute Absicht dahinter zu erkennen, denn sie kümmern sich fürsorglich um uns.

 

Foto: Carola Leitner und Markus Lietz

Viele Bohnen, eine Busfahrt und kein Partnertausch

Unser Privatzimmer bietet genau, was wir erhofft haben: ein authentisches Wohnerlebnis in einem kubanischen Haushalt. Dazu gehört auch die nicht ungefährliche Waschsituation. Die über der Wanne eingebaute Dusche erinnert frappant an eine aufgehängte Gießkanne. Die zur Erhitzung des Wassers installierte Heizschlange steht unter Starkstrom und könnte uns jederzeit mittels Elektroschock zur Strecke bringen. Hat man die Morgentoilette überlebt, darf man sich aufs Frühstück freuen: frisch gepresster Fruchtsaft, Obst, Brot und Marmelade sowie stark gezuckerter Kaffee in einer senffarbenen Thermoskanne, auf der in goldenen Lettern das Wort Happiness prangt. Unserer Bitte den Kaffee ungesüßt zu servieren wird erst beim dritten Anlauf entsprochen. Dies mag am Nationalstolz liegen, immerhin war Kuba lange weltweit der wichtigste Zuckerproduzent und -exporteur. Im Jahr unseres Besuches waren jedoch bereits mehr als die Hälfte der Zuckermühlen auf der Insel geschlossen. Als die Hausherrin für uns das aus Reis und roten Bohnen bestehende Nationalgericht Congrí kocht, ahnen wir noch nicht, dass Bohnen aufgrund der guten Verfügbarkeit während unseres gesamten Aufenthalts ganz oben am Speiseplan stehen werden. Als Gegengewicht decken wir uns im benachbarten Markt mit unterschiedlichsten Früchten ein. Die Preise sind äußerst moderat, da sich nur selten ausländische Kunden in die provisorisch wirkende Halle verirren und die Verkäufer nicht recht wissen, wie sie mit uns umgehen sollen. Der Mangel an qualitätsvollen Lebensmitteln zeigt sich rasch. Ein Sandwich mit Schinken für den schnellen Hunger wird eine Straßenecke weiter angeboten, doch ist das Fleisch zäh, flachsig und geruchsintensiv. Unser Abenteuergeist stößt kulinarisch aufgrund des eingeschränkten Angebots rasch an eine Grenze. In einem Dollar-Laden, in dem ausschließlich mit amerikanischer Fremdwährung bezahlt werden kann, kaufen wir einem wandelnden Klischee gleich Pringles und Cadbury-Schokolade. Bevor Máximo Líder Fidel Castro 1993 den Dollar im Land freigab, war der Besitz der feindlichen Währung strafbar. Der Dollar sollte helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden, in die Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geschlittert war. In den staatlichen Dollar-Shops gab es alles: von Duschgel über Fleisch, Waschmittel bis Babynahrung. Das schlechte Gewissen in diesen Läden einzukaufen ist groß. Die Abneigung gegenüber dem Schinken mit starkem Eigengeschmack ist größer. Für eine Packung Pringles legen wir vier Dollar auf die Theke. Bei einem Monatslohn von rund 250 kubanischen Pesos, das sind umgerechnet etwa zehn Dollar, ein unerschwingliches Vergnügen für die kubanische Bevölkerung. Wenig verwunderlich suchen viele von ihnen einen Job im Tourismus, da hier höhere Löhne winken und man leichter Zugang zu Devisen erhält. Über Freunde und Umwege knüpfen wir eine Verbindung zum Schwarzmarkt und kaufen Zigarren zu einem Dollar das Stück – ohne die hübschen Holzschachteln, da in den Fabriken illegal abgezweigt.

Foto: Carola Leitner und Markus Lietz

Untertags schlendern wir durch die Straßen von Havanna, bewundern die scheppernden Oldtimer und die heruntergekommenen Prachtbauten oder stehen Schlange vor einer fliegenden Untertasse: der Eisdiele Coppelia. An der Uferpromenade Malecon bemerken wir die ersten Sextouristen, lehnen dankend einen Partnertausch ab und beobachten im Sonnenuntergang das Publikum. Denn hier trifft sich abends halb Havanna. An einem heißen Tag wollen wir zum Schwimmen an einen Strand außerhalb der Stadt – ein zeitraubendes Unterfangen. Denn Zeit braucht man für den öffentlichen Nahverkehr ausreichend. Wir warten zwei Stunden in sengender Hitze auf den altersschwachen und viel zu kleinen Bus für die Zahl der wartenden Fahrgäste. Es ist eng, heiß, laut und amüsant. Außerdem riecht es nach Huhn, da jemand einige Tiere unterm Sitz verstaut hat. Die Einheimischen freuen sich über die Touristen und wollen unsere Bekanntschaft machen. Man bietet uns sogar einen Sitzplatz an, den wir an eine ältere Dame weitergeben. Schon nach wenigen Minuten kennen alle Insassen unser Fahrtziel. In einer gemeinschaftlichen Entscheidung mit dem Buschauffeur wird festgelegt, welche die beste Ausstiegs- bzw. Badestelle für uns ist. Dort, wo wir unter großem Hallo den Bus verlassen, existiert keine Haltestelle … Man erklärt uns noch die Gepflogenheiten bzgl. Rückfahrt. Denn feste Zeiten mit Fahrplan sind eher unbekannt. Den feinen weißen Sandstrand unter den Palmen haben wir fast für uns allein.

Foto: Carola Leitner und Markus Lietz

 

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

Coverfoto: Carola Leitner und Markus Lietz

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