Gesaeuse, Oesterreich ©RomanKoenigshofer_DSC08296
Gesaeuse, Oesterreich ©RomanKoenigshofer_DSC08296

Roman Königshofer: „Ich fotografiere nicht, um einen Like zu kreieren“

Der österreichische Fotograf Roman Königshofer scheut weder angefrorene Finger noch Knochenbrüche und stürzt sich neugierig zu Orcas ins nur wenige Grad kalte Wasser. Seine Kamera hat der Autodidakt aber nicht immer dabei, denn im Vordergrund stehen für ihn die Touren, die Erlebnisse, seine sportlichen Aktivitäten in der Natur. Die Fotos ergeben sich von selbst…

 

Als Roman Königshofer mit einem Kollegen im September 2017 den Großglockner in Angriff nimmt, unterschätzt er die Wetterlage. Ein Fehler wie er zugibt. Aufgrund zu dünner Handschuhe hat er sich seine Finger angefroren. „Meine Fingerkuppen hab ich für drei Monate gar nicht mehr gespürt. Zieh ich heute bei Kälte die Handschuhe aus, werden meine Finger sofort kalt. Das nervt ziemlich, denn mit Handschuhen kann ich nicht so fotografieren wie ich will. Manchmal kann ich den Auslöser nicht drücken, weil ich nix spür …!“ Auch beheizbare Handschuhe halfen nicht. Mittlerweile trägt er beim Bergsteigen oder Tourengehen – wenn die Freunde noch ohne Handschuhe unterwegs sind – dicke Fäustlinge. In Nepal, seinem Lieblingsreiseland, war ihm nie so kalt wie in Österreich, merkt er grinsend an.

Foto: Roman Königshofer

Instagram als Karriereleiter

„Im Bereich Landschaftsfotografie machen auf Instagram sehr viele dasselbe wie ich. Ich kann mich da dennoch gut abheben, weil ich auch ein bissl alpinistisch unterwegs bin,“ erzählt Königshofer. Der Zusatz ein bissl ist allerdings untertrieben. Immerhin hat er in Nepal einen 6000er bestiegen. Auf Nachfrage sagt er, es sei kein schwieriger Berg gewesen. Von Angeberei ist der gebürtige Steirer in etwa so weit entfernt wie Kim Kardashian von Bescheidenheit. Beigebracht hat er sich das Fotografieren selbst. Ein Kreuzbandriss beim Snowboarden sorgte bei dem damals 19-Jährigen für eine sportliche Zwangspause, so begann er seine Freunde bei den Abfahrten, Sprüngen und Tricks zu filmen und fotografieren. Die Schuld an der Professionalisierung seiner neu entdeckten Leidenschaft trägt Instagram. „Ich hab 2015 damit begonnen und musste mich bis Mitte 2016 nicht groß anstrengen. In meinem Archiv hatte ich so viele Fotos, dass ich täglich eines posten konnte“, so Roman. Fotografische Job-Anfragen folgten. Einer der ersten Kooperationspartner war Samsung. Ausgestattet mit einem Mobiltelefon des Unternehmens flog er nach Island und hat dort einige Tage lang mit dem Gerät gearbeitet und gezeigt, was damit alles möglich ist.

Foto: Roman Königshofer

Der 38-Jährige scheint die Herausforderung zu lieben, egal ob beim Surfen oder am Berg. Die Kamera ist für ihn jedoch kein Dauer-Begleiter. Oft hat er nur eine kleine Point-and-Shoot-Kamera oder das Handy dabei. Seine Touren plant er nicht wegen eines bestimmten Fotos, sondern weil er die Bewegung braucht. „Ich fotografiere nicht, um einen Like zu kreieren oder die schöne Landschaft einzufangen. Bei mir steht das Gehen einer Tour im Vordergrund, es ist oft ein netter benefit, wenn man die Sonne aufgehen sieht und das geilste Licht zum Fotografieren hat. Ich plane die Tour und die Fotos ergeben sich. Ich glaube, dass Leute, die im Outdoor-Sport unterwegs sind, das sehen“, erklärt er. Es gäbe viele Spots, die stets auf die gleiche Weise fotografiert würden. Immer und immer wieder. Diese Art der Wiedergabe interessiert ihn nicht, aber er weiß genau, dass es diese Spots sind, die mehr Likes, Follower, große Kooperationen und Geld bringen. Doch darauf verzichtet er lieber. „Ich wüsste sofort wie ich auf 500.000 Follower komme und große Kooperationen mit finanzstarken Brands anleiere.“ Wie das geht? Die Formel scheint einfach zu sein. „Man macht eine Liste mit 1000 Spots, fotografiert sie beim besten Licht … es ist supereinfach“, so Roman. Zum ersten und einzigen Mal im Interview schüttelt er seine Bescheidenheit ab und macht gleichzeitig seine Einstellung deutlich.

Foto: Roman Königshofer

Schlüsselbein, Schultergelenkssprengung, Kreuzbandriss …

Seit etwa fünf Jahren arbeitet Königshofer ausschließlich als Fotograf. Nach der Maschinenbau HTL studierte er zwei Semester Publizistik, aber die ständig überfüllten Hörsäle nervten. Nach einem Jahr war Schluss mit dem Schlange stehen vor den Lehrveranstaltungen. Er wechselte Studienfach und Wohnort, verließ Salzburg und startete sein Informationsdesignstudium in Graz. Nach dem Abschluss absolvierte er einige Praktika – Berlin, New York, Los Angeles – und landete schlussendlich für einen Freelance-Job in Salzburg beim Red Bull Media House. Dort traf er auf Freunde seiner früheren Snowboard-Crew. Ein Glücksfall. Man erinnerte sich an den talentierten Videomacher und engagierte ihn für die Surf World League für Red Bull TV. Der bekennende Outdoor-Liebhaber, für den sich die langen Arbeitstage vor dem Computer zusehends als quälend erwiesen, sattelte um.

Foto: Roman Königshofer

Unsportlichkeit kann man ihm nicht vorwerfen. Zu seinen bevorzugten Sportarten zählen Surfen, Bergsteigen, Klettern, Skifahren, Snow- und Skateboarden oder Schwimmen … ins Wasser steigt der Hartgesottene auch im Winter. Zehn Jahre lang trainierte der in Krieglach in der Steiermark aufgewachsene Königshofer als Kind im Schwimmverein, war ein paar Mal Steirischer Meister und schaffte es auch bei den Österreichischen Meisterschaften unter die Top 5. „Ich bin u.a. gegen Markus Rogan geschwommen“, erzählt er grinsend. „Aber mit 13, 14 wurden andere Sachen spannender.“ 2019 hat er mit dem Mountainbiken begonnen. „Es ist ähnlich wie im Winter einen Berg mit dem Snowboard runterzufahren“, schwärmt er. Das Mountainbiken zählt – so wie fast alle seiner Aktivitäten – zu den Risikosportarten. Stürze gab es beim Biken schon, aber ernstere Verletzungen noch nicht. Glücklicherweise hat seine Mutter, die früher in einer Versicherung tätig war, für eine gute Unfallversicherung gesorgt. „Außerdem“, so Roman, „war schon länger nix.“ Eine kurze Denkpause später korrigiert er sich: 2018 sorgte ein Sturz mit dem Snowboard für eine ausgekugelte Schulter. Er sei eher defensiv unterwegs, erzählt er. Unfallfrei ist ein sportlich-herausforderndes Leben ohnehin nicht zu schaffen. „Früher hab ich mir alles gebrochen. Meine Mutter hatte damals, als ich noch wilder Skateboard und Snowboard gefahren bin, keine leichte Zeit. Gleich zu Beginn zertrümmerte ich mir mit etwa 15 Jahren den Ellenbogen beim Skaten“, so Königshofer. Operation, Schrauben und drei Monate Gips waren die Folge. Beim Snowboarden folgten Rippenbrüche, Schlüsselbein mehrfach, links wie rechts, eine Schultergelenkssprengung, Kreuzbandriss, Kammbein … Mittlerweile ist er ruhiger geworden. Seit der Geburt seines Sohnes Felix im November 2019 hat sich vieles verändert. Roman hat mit Freundin Helena und Sohn Innsbruck den Rücken gekehrt und ist zurück in die alte Heimat Krieglach gezogen. Die Berge sind nicht ganz so hoch, aber die Vaterrolle macht ihn glücklich. Seit der Corona-Krise ist er viel zuhause, die Arbeit in eine Bürogemeinschaft zu verlegen ist geplant. Der Nachwuchs hat alles verändert – und wird auch die Wahl der zukünftigen Jobs beeinflussen. Doch dies scheint den Fotografen keineswegs zu stören, im Gegenteil: Er holt das beste aus der derzeit schwierigen Lage heraus und genießt die gemeinsame Zeit mit Sohn und Freundin. Auch das Reisen bleibt präsent bzw. in Planung: Sobald Felix etwa drei, vier Jahre alt ist, will Roman mit seiner Familie nach Nepal.

Lesen Sie die gesamte Story auf READLYYUMPU News oder im PARADISE Magazin – Viel Vergnügen!

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