andreas.wickhoff
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Ein Meister seines Fachs

Der Name Bründlmayer gilt heute in der Weinwelt als Synonym für beständige Spitzenqualität. Der respektvolle, freundliche Umgang mit Natur und Mensch ist innerhalb des Familienunternehmens erstes Gebot. Ein Team fachlich bestens ausgebildeter Mitarbeiter gibt dabei den Rückhalt – Weingärten in den besten Lagen des Kamptals sind das Kapital.

Im Weinberg ist man nachhaltig um ein stabiles, ökologisches Gleichgewicht bemüht. Chemische Dünger werden abgelehnt, stattdessen wird eine Begrünungs-, Mulch- und Kompostwirtschaft betrieben, auch zur Förderung des Bodenlebens, damit etwa viele Regenwürmer ihre wohltuende Wirkung entfalten können. Junge Pflanzen werden aus alten Beständen vermehrt, mit besonderer Rücksicht auf genetische Vielfalt, Widerstandskraft und Standortanpassung. Ein beachtlicher Teil der Rebanlagen ist mittlerweile in Lyra-Erziehung angelegt.

Zudem ist das Weingut Bründlmayer Teilnehmer am österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft und wird dafür Jahr für Jahr zertifiziert. Zertifiziert wird auch der Keller mit der Traubenverarbeitung nach dem ISO 22000 Qualitätsstandard.

Seit September 2016 leitet Andreas Wickhoff, Master of Wine (MW), als Geschäftsführer die Geschicke des renommierten Weingutes. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Welt der feinen Weine ist es das erklärte Ziel des umtriebigen Steirers, die faszinierende Welt einem breiteren Publikum zu eröffnen und den Menschen dabei den wahren Geschmack näher zu definieren – weg vom Linearen, hin zum Vielschichtigen, zum Multidimensionalen von großem Wein!

Um einen tieferen Einblick in die Bründlmayer’sche Welt und auch das Universum ihres Geschäftsführers zu erhalten, haben wir uns mit Andreas Wickhoff auf ein Achterl getroffen und dabei in einem erhellenden und erheiternden Gespräch viel Interessantes und Spannendes in Erfahrung bringen können.

Lieber Herr Wickhoff, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Gehen wir gleich in medias res: Zuallererst Gratulation zum Master of Wine – und das als erst dritter Österreicher und jüngster Absolvent überhaupt. Wie stolz sind Sie, dass Sie es geschafft haben?

Vielen herzlichen Dank für die Blumen. Jedoch muss ich an dieser Stelle kurz revidieren: Ja, ich habe es als jüngster Österreicher zum begehrten Master of Wine geschafft, allerdings nicht als jüngster In Europa – hier bin ich nur „einer der jüngsten“.

Stolz ist an dieser Stelle vielleicht das falsche Wort. Der primäre Grund das Studium zu beginnen, war ja auch ein eher eigensinniger, da ich es für mich selbst gemacht habe. Ich bin sehr froh und erleichtert – auch darüber, dass ich es in einem normalen Zeitrahmen hinter mich gebracht habe. Die reguläre Studiendauer ist auf 3 Jahre angesetzt. Da die Meisten im Durchschnitt  bei 6-7 Jahren liegen, war ich mit meinen vier auf jeden Fall im Rahmen (lacht). Man wird wirklich von einem einzigartigen Gefühl überwältigt, wenn der Anruf kommt, dass man auch die letzte Hürde genommen hat.

Ein Bayer, der den Wein dem Bier vorzieht – das grenzt ja fast schon an Blasphemie. Haben Sie sich da ab und an was anhören müssen?

Obwohl ich zwar in Bayern geboren wurde, wurde ich bereits mit einem Jahr wieder zurücktransferiert. Aus diesem Grund würde ich mich selbst nicht als Bayer bezeichnen, ich sehe mich eher als ursprünglichen Steirer. Wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt: So ist es innerhalb des Winzerzirkels etwa üblich nach einem anstrengenden Messetag erstmal ein kühles Bier zu sich zu nehmen. Einerseits weil es den Gaumen neutralisiert, andererseits, da der basische Aspekt des Bieres durchaus positive Auswirkungen auf die Weinzunge hat. Wein und Bier sind also nicht wie Tag und Nacht zu sehen, denn beide ergänzen sich gut. Und dank der zahlreichen Craft Beers ist mittlerweile auch eine hohe Qualität zum Standard geworden.

Gibt es ein Aufnahmeverfahren für den Master of Wine? Wie kann man sich das vorstellen?

Ja, es gibt ein ganz klares Aufnahmeverfahren. Zunächst einmal muss der Applikant im Wein-Business tätig sein – sei es nun als Winzer, im Handel, Journalismus oder im Marketing. Eine bekannte Ausnahme von dieser Regel gibt es jedoch: Die profilierte Journalistin Jancis Robinson ist die erste Absolventin, die nicht aus dem Weingeschäft, sondern ganz konträr eigentlich aus dem Finanzwesen kam. Bevor man für die Aufnahmeprüfung zum Master of Wine in Betracht gezogen wird, muss man als Eintrittskarte erstmal das „Diploma in Wines“ in der Tasche haben. Dieses Studium dauert mindestens zwei Jahre und erst, wenn man das geschafft hat, wird man für die Aufnahmeprüfung zugelassen. Diese besteht aus einem organoleptischen Teil, bei dem man die Beschreibung eines bekannten Weines abliefert, und einer Theorieprüfung. Da die Nachfrage – und damit auch die Auswahl an Kandidaten – in den letzten Jahren konstant nach oben gegangen ist, finde ich diese Hürde eine gute Option, um die Qualitätsschraube nach oben zu drehen und die Entstehung eines „Massenstudiums“ zu verhindern.

Wie kann man sich die Ausbildung zum Master of Wine vorstellen? Und vor allem wie die Abschlussprüfung/en?

Nach dem erfolgreich bestandenen Aufnahmeverfahren startet dann im Herbst der 2-jährige Studienkurs. Ein Großteil erfolgt als Self-Study von Zuhause aus, ebenso hat man monatlich abgehaltene Kurstage in London. Einmal jährlich gibt es zudem eine Woche lang Seminare. Wo diese stattfinden, kommt in diesem Fall darauf an, wo man selbst gerade ist. So gibt es im amerikanischen Napa Valley ebenso Kurszentren wie in Europa – etwa in Rust/Bgld, England oder Bordeaux/FR. Nach dem ersten Jahr erfolgt dann ein Stage 1 Assessment, das sich aus einer 1-tägigen Prüfung, in der man 12 Weine innerhalb von 2:15 Minuten analysieren muss. Im Rahmen dieser qualitativen Beurteilung müssen Fragen zu Rebsorten, Herkunft, Machart oder auch dem kommerziellen Potenzial beantwortet werden. Begleitet wird dies von Theorieprüfung, die aus Essays zu diversen Themen wie Weinbau, Kellerwirtschaft und Weinwirtschaft besteht. Danach wird entschieden, ob man für die Stage 2 in Frage kommt oder ob eine Wiederholung der Stage 1 bzw. auch ein Cut aus dem Programm die klügere Wahl ist. Ähnlich wie die erste Phase besteht auch Stage 2 wieder aus Kurstagen und Seminaren, an deren Ende eine große Prüfung in den Prüfzentren London, San Francisco oder Sydney steht. Analog zur Zentralmatura, erfolgt diese Prüfung für alle Teilnehmer an den gleichen Tagen und setzt sich auch aus den gleichen Fragen zusammen. Insgesamt zieht sich diese Abschlussprüfungsphase über eine ganze Woche: So gibt es an den ersten drei Tagen zunächst drei Verkostungsprüfungen, die sich aus 12 Weißweinen, 12 Rotweinen und 12 Kandidaten aus der Kategorie „Alles möglich“ (Sekt, Sherry, etc.) zusammensetzen. Nachmittag folgen jeweils drei Essays, der letzte Tag wird den „contemporary issues“ – wie etwa Natur oder China als Zukunftsmarkt – gewidmet. Ohne übertreiben zu wollen, aber das war zweifellos die anstrengendste Woche meiner Bildungslaufbahn. Ich war so erledigt danach! Wenn man dann beide Teile absolviert hat und der letzte Prüfungsteil – die Dissertation bzw. das Research Paper – von den externen Prüfern erfolgreich begutachtet wurde, dann hat man es tatsächlich geschafft!

Was war das Thema Ihrer Dissertation?

Die Umwandlung eines germanisch inspirierten Appellationssystems in ein romanisches – primär dargestellt anhand des Beispiels DAC System. Ich ging hier der Frage nach, wie man ein System, das eher auf Rebsorten konzentriert ist, in ein System mit Fokus auf die Verbindung der Stilistik von Wein mit seiner Herkunft umwandeln kann. Früher wurde im Wein-Bereich eher „Herkunft“ getrunken, in den 60er/70er Jahren orientierten sich die Produzenten dann eher an den genutzten Rebsorten und über die letzten 20 Jahre ist wieder eine Rückkehr zu Herkunft bzw. Regionalität. Das sieht man ja aktuell auch im Food-Bereich: Hier ist Regionalität Trumpf – und genau diesen Aspekt wollte ich mit meiner Dissertation beleuchten – nur eben in Bezug auf Wein.

Wie hoch sind die Kosten für eine derartige Ausbildung? Und lohnt sie sich Ihrer Meinung nach wirklich?

Das ist schwierig zu sagen, die Kosten sind relativ überschaubar: So fallen ca. 5.000 Pfund pro Studienjahr an, die Prüfungskosten liegen bei 1.500 Pfund, in den Study Groups kommen noch die Kosten für die verkosteten Weine hinzu. Das, was sich jedoch wirklich zu Buche schlägt, sind die Reisekosten. Zur Erklärung: Wenn ich persönlich bei einem Weingut bzw. in einem Weinanbaugebiet war, dann weiss ich eher wie der Wein gemacht wird als durch ein Buch. Ergo sind die Reisekosten in meinen Augen Weiterbildungskosten, die ich gerne bezahle, wenn ich wieder etwas Neues lernen kann. Alles in allem würde ich 25.000 bis 35.000 Euro als vorsichtigen Richtwert nennen. Lohnend ist das Studium allemal, da sich nicht nur Karrierechancen ergeben, sondern man auch eine grandiose persönliche Genugtuung erfährt. Einer der Hauptgründe, um das Studium zu beginnen, ist für viele auch das Netzwerk aus Menschen, das man aufbaut und als riesige – geschäftliche, aber auch emotionale – Bereicherung gesehen wird. Eines möchte ich an dieser Stelle noch deutlich anmerken: Das Studium zum Master of Wine war eindeutig Teamarbeit – ohne meine Familie und hier vor allem meine Frau, wäre es nicht möglich gewesen!

Wie anstrengend fühlt sich eine derartige Ausbildung an? Sind Sie an Ihre Grenzen gekommen?

Ja, an meine Grenzen bin ich zu 100% gestoßen! Wäre meine Dissertation nicht beim ersten Mal angenommen worden, hätte ich wohl ein Jahr ausgesetzt (lacht). Aber Spaß beiseite:  Es war wirklich 5 vor 12, was die persönlichen Anstrengungen betrifft: Kurz vor der Abschlussprüfung machen dann auch die Weinverkostungen keine Freude mehr, sondern sind nur noch reine Arbeit. Aber so ist das halt: Wenn man etwas ernst und es auch seriös und zeitgerecht durchziehen möchte, dann geht’s nun mal einfach an Grenzen und die Wochenenden bestehen halt aus Verkostungsraum oder Theorieprüfung zuhause, anstatt Skifahren zu gehen. Meiner Meinung das wichtigste dabei ist das Team, das man um sich hat.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Momentan bin ich sehr glücklich und gefordert mit der Geschäftsführung von Bründlmayer. Es macht mir irrsinnigen Spaß in diesem engagierten und diversen Team zu arbeiten. Auch habe ich viel Freude an der Weinakademie und meinen Beratungstätigkeiten. Dass die Familie Bründlmayer so derart voll hinter mir steht, gibt mir einen unglaublichen Rückhalt. Also von meiner Seite gibt es derzeit keine anderen Pläne, außer natürlich zu lernen und sich stets weiterzuentwickeln. Oh, doch einer fällt mir spontan noch: Dort und da ein wenig leiser zu treten!

Was macht für Sie einen guten Wein aus? Und wo liegt die Zukunft des Weinanbaus?

Qualität ist immer etwas Subjektives, guter Wein hat oft nichts mit dem Preis zu tun. Teuer ist nicht automatisch gut. Mir sind in diesem Zusammenhang Aspekte wie Ausgewogenheit, Bekömmlichkeit oder Finesse sehr wichtig. Ebenso ein herkunftsbezogener Charakter, der einen Wein einer bestimmten Region bzw. einem bestimmten Weingarten zuordenbar macht.

Was die Zukunft betrifft: Wir spüren die Klimaveränderung eindeutig. Die Blüte erfolgt immer früher, die Reife ist immer früher vollendet. Hier müssen wir uns eindeutig Gedanken machen, jedoch haben wir auch von den heißen Jahren gelernt. Das reicht vom Begrünungs- und Laubwand-Management über das Timing der Lese bis hin zur Kultivierung von frühreifenden Rotweinrebsorten wie Pinot Noir als Ergänzung zu den Steckenpferden Grüner Veltliner und Riesling. Wir müssen uns für die Veränderungen der kommenden Zeit wappnen und akkurate Beobachtungen durchführen. Die Zukunft des Weinanbaus sehe ich positiv. Es gibt ein großes Spektrum am Markt, die Produzenten sind gefordert, hohe Qualität zu einem ordentlichen Preis zu schaffen. Dadurch ist der Konsument natürlich der große Gewinner, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich zu einem ausschlaggebenden Faktor entwickelt.

Verraten Sie uns noch ein Geheimnis: Was war das schrägste Erlebnis, das Sie bisher in Ihrer Karriere erlebt haben?

Vor meiner Tätigkeit für das Weingut Bründlmayer war ich viel unterwegs in der Welt, um den österreichischen Wein in den verschiedensten Ländern an den Mann zu bringen – teils mit speziellen Verkostungen in den extremsten Gebieten. Als Geschäftsführer vom Weingut Bründlmayer habe ich auch den Australasien-Bereich im Verkauf über. Bei diesen Reisen nach Asien habe ich viel Spannendes gesehen, was sich da gerade abzeichnet. Letztes Jahr war ich so mal wieder in Taiwan. Hier wurde ich zu einem Besuch in einen privaten Weinkeller eingeladen. Und dieser hatte Schätze lagernd, die weltweit ihresgleichen suchen: Kisten von 1945er Mouton Rothschild, große rote Burgunder der Nachkriegszeit, namhafte Produzenten wie Henri Jayer, Leroy oder Domaine de la Romanée Conti. Ich bin aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Was hier für ein Wert lag! Und das Beste: Der Besitzer lud mich zur Verkostung einige dieser Raritäten ein. Pro Flasche sprechen wir hier immerhin von fünfstelligen Beträgen. Ein weiteres surreales Wein-Erlebnis fand davor in Hongkong statt: Hier war ich zum Essen in einem Restaurant, das feinen Rotwein zu – halten Sie sich fest – Schlangen in allen Variationen servierte. Asien ist doch immer wieder überraschend (lacht).

Lieber Herr Wickhoff, wir danken Ihnen herzlich für das spannende Gespräch und wünschen alles Gute für Ihre Zukunft und die von Bründlmayer!

www.andreaswickhoff.com

www.bruendlmayer.at


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